im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2015 / 2016

Pressestimmen zu "Der Sturm"

Shakespeare sehen und Grunert erleben: Die Leute rennen dem kleinen Theater beim "Sturm" förmlich die Bude ein

Die ungefähr 21. ultimative Kritiker-Lobhudelei hat die Inszenierung nicht nötig. Sie steht völlig selbsterklärend da. Und singulär. Zwei Sachen nur: Auch wenn man Andreas Sigrist über die Jahre schon ein paar Mal gesehen und regelmäßig ziemlich bis sehr gut gefunden hat; als Prospero im „Sturm“ erklimmt er noch eine neue schauspielerische Stufe. Großes Theater.

Und: Anna Schumacher. Sie begegnet als Miranda dem Rezensenten zum ersten Mal – und, hey: Wo war sie bisher? Wow. Sie hat’s drauf. Bitte mehr von ihr. Ansonsten: Hingehen. Die einzige Frage, die jeder für sich selbst klären muss: einmal – oder zweimal…? Es gibt auch jemand, der war gestern schon zum 3. Mal in Grunerts “Sturm”.

Michael Stolzenberg, Guten Morgen Landshut, 22. Feb. 2016

-----

So kurz können 2 1/2 Stunden sein
"Der Sturm" in Sven Grunerts meisterhafter Inszenierung im kleinen theater

Ein zweieinhalb Stunden dauerndes Theaterstück – noch dazu eines von William Shakespeare – ohne Pause zu spielen, ist eine sehr ambitionierte Vorgabe an das Publikum. Wenn Sie jetzt denken, dass das Sven Grunert ähnlich sieht, sind Sie nicht allein. Ich habe mir das beim Studium des Programmzettels auch gedacht. Doch nach dem Genuss der aktuellen Premierenproduktion von William Shakespeares „Der Sturm“ im Kleinen Theater darf man restlos begeistert feststellen, dass es erstaunlich ist, wie schnell zweieinhalb Stunden vergehen können.

Doch alles der Reihe nach.
Absolute Essenz von Textbuch und Story Intendant Sven Grunert hat eine hochkonzentrierte, exemplarische Shakespeare-Regie abgeliefert. Diese „Sturm“-Adaption ist die absolute Essenz des Textbuches und der Story, da wird nichts an unnötigem Ballast oder krampfhaften Aktualisierungen draufgepackt – und dennoch ist der persönliche Stempel des Regisseurs jederzeit erkennbar. Alles ist minutiös ausbalanciert: Helmut Stürmers atmosphärischer Bühnenraum, die kunstvoll schlichten Kostüme von Lucie Hofmüller, die punktgenaue Lichtregie und die durch einen „DJ“ auf der Bühne eingespielte Musik nebst Soundeffekten. Sven Grunert nimmt sich unendlich viel Raum, um das Stück beginnen zu lassen. Fast scheint die Zeit stillzustehen.

Die von einem sensationell agierenden Andreas Sigrist als Prospero mit großer Ruhe eingeführte Handlung entwickelt in der Folge recht schnell einen immer größer werdenden Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Der magisch-mystische Zugang, den Grunert durch Sigrists anfängliche Rituale dem Publikum bietet, ist die Basis für einen großen Theaterabend. Andreas Sigrist fügt seinen zahlreichen Glanzleistungen im Rottenkolberstadel eine weitere hinzu. Sein Prospero ist hinter dem geheimnisvollen Magier und Schamanen mit den übernatürlichen Fähigkeiten vor allem ein liebender Vater und ein zutiefst sensibler und verletzlicher Mensch.

Und gerade weil sich der Zuschauer in Sigrists Rollenporträt spiegeln kann, ist seine Darstellung so glaubhaft, so besonders, so fesselnd. Auch Julius Bornmann als Luftgeist Ariel zeigt eine großartige Leistung und zieht für Prospero im Verborgenen charismatisch die Fäden. Wunderbar zärtlich und schwebend agieren Anna Schumacher (Miranda) und Sebastian Hofmüller (Ferdinand) als liebendes Paar. Demgegenüber zischt und faucht die tolle Maja Elsenhans wie eine unkontrollierbare Urgewalt zwischen Mensch und Tier als furchterregender Caliban über die Bühne. Im alkoholgeschwängerten Trio mit Knud Fehlauer (Stephano), Sven Hussock (Trinculo) und Elsenhans wird der Dialog zwischendurch immer enthemmter und skurriler.

Diese fast schon slapstickähnlichen Szenen sind von Grunert im Gegensatz zu den sonstigen Geschehnissen gekonnt als Farbtupfer an der absoluten Grenze zum Klamauk inszeniert. Schon ein halber Schritt mehr wäre zu viel gewesen. Stefan Lehnen (Antonio), Christian Mark (Alonso), Rudi Knauss (Gonzalo) und abermals Knud Fehlauer (Sebastian) zeigen ebenfalls sehr gut gespielte Charakterstudien in einer rundum gelungenen Produktion.

Alle sind Teil des Spiels von Sein und Schein

Sven Grunerts Regie hat ohne Zweifel eine Reihe von genialen Momenten, etwa wenn Andreas Sigrist hinter einer durchsichtigen Plastikplane quasi aus dem totalen Nichts nur mit einem weißem Stift und seinem eigenen Körper die berühmte vitruvianische Zeichnung Leonardo da Vincis nachstellt. Oder am Ende, als Sigrist Lichttechniker Jürgen Behl völlig unvermittelt bittet, das Saallicht anzumachen und sich Face to Face an das Publikum wendet, und es – wie ihn selbst – aus dem Spiel von Sein und Schein herausholt. Um sich durch derart außergewöhnliche Effekte verzaubern zu lassen, geht man doch letztendlich ins Theater.

Fazit: „Der Sturm“ im Kleinen Theater bietet eine meisterhafte Shakespeare-Inszenierung mit famosen Schauspielern und einem überwältigenden Andreas Sigrist. Kommen. Sehen. Staunen. So kurz können zweieinhalb Stunden sein.

Thomas Ecker, Wochenblatt, 3. Feb. 2016

-----

Frei sein
Erstklassige Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm“ im Kleinen Theater

Ein kaltes Lichtkreuz in Schräglage, dahinter magisch flackernde Lichtpunkte. Spiegel und Glasflächen drehen sich, Plastikfolien verhüllen mehr als sie Durchblick gewähren. Die Uhr tickt, ein Pendel schwingt, in luftiger Höhe schwebt ein vergoldeter Stuhl als Metapher des verlorenen Throns: sichtbar, doch nicht fassbar. Magie wird spürbar, in den Klanggewittern hörbar, in Spiegelungen sichtbar.

Das großartige Szenario (Bühnenbild: Helmut Stürmer) baut Spannung auf und Regisseur Sven Grunert, Intendant der Landshuter Kammerspiele, weiß sie raffiniert zu verdichten. Shakespeares „Sturm“ tobt über die Bühne. Er wird zur Parabel von stürmischen Innenwelten und die Schiffsluke zum Knackpunkt der äußeren und inneren Handlung und ein raffiniertes Bindeglied, um Shakespeares Alterswerk in seiner Vielschichtigkeit auszuloten. Personen werden an Land gespült, Geister tauchen auf und werden wieder hinabgestoßen. Peng, Klappe zu, die Geister bezwungen, wieder im Untergrund.

Parabel der inneren Dämonen


Ohne Pause entwickelt sich in zweieinhalb Stunden ein faszinierendes Spiel zwischen Märchen und Realität, Menschen und Geistern, Macht und Psychose. Sven Grunert entwirrt Shakespeares komplexe Fiktionen in eine stringente Geschichte über innere Dämonen, über die versöhnende Kraft der Liebe und über die Befreiung durch Nachsicht. Prospero, der König von Mailand, wurde mit seiner Tochter Miranda vom Bruder auf eine Insel vertrieben. Er hat sich der Zauberkünste verschrieben, sich den Luftgeist Ariel und den deformierten Caliban, Sohn der Hexe Sycorax, untertan gemacht. Mit Ariels Hilfe lässt Prospero seinen Bruder Alfonso, der mit dem König von Neapel und dessen Sohn Ferdinand an der Insel vorbeisegelt, in Seenot geraten und alle an Land spülen. Während der König seinen Sohn sucht, verliebt sich dieser in Miranda. Das Happy End bahnt sich an. Ganz nah an Shakespeare bleibt Sven Grunert und entdeckt doch das Jetzt im Einst, weil er in den burlesken Szenen und ironischen Kostümen (Lucie Hofmüller), Caliban umschlungen von einem Netz des Gefangenseins, Miranda in Latzhose, Zeitgeist durchschimmert, das gesamte Ensemble, insbesondere das Charisma einzelner Schauspieler die Inszenierung im Heute erleben lässt. Sven Grunert lässt Nebengeister und Nebenfiguren weg, beginnt ruhig und langsam. Umso heftiger verdichten sich die Szenen. Shakespeares deftige Sprache steht im Mittelpunkt, intensiviert durch Klangspiele, Glocken und Klirren, zuweilen durch Echoeffekte.

Leitmotivische Musik strukturiert die Erzählebenen, beschwingt und dynamisiert das reale Geschehen. Die burlesken Szenen werden mit Maja Elsenhans als Caliban und Knud Fehlauer (Stephano) und Sven Hussock (Trinculo) zur großartigen Metapher gieriger Besessenheit – zunächst in grölender Runde in einer Rieseneinkaufstasche, später mit einem langen Tau von Prospero und Ariel gefesselt hin- und hergezogen als Ausbund verachtenswerter Existenzen, ein mehrbeiniges Untier jederzeit zum Mord bereit. Geschundene Existenz und Freigeist Die Könige mit Gefolge (Christian Mark, Stefan Lehnen, Rudi Knauss, Knud Fehlauer) geben sich zwar eleganter, moralisch sind sie keinen Deut besser. Wunderbar oszillieren sie, völlig fremdgesteuert von Ariel, zwischen traumatischer Erstarrung und Erwachen. Den lyrischen Gegenpol spielen Anna Schumacher und Sebastian Hofmüller als poetisches Liebespaar.

Mit Julius Bornmann wird Ariel zum schauspielerischen Mittelpunkt, geschundene Existenz und Freigeist gleichermaßen. Er spielt mit magischer Expression ein Wesen von ganz anderer Art und doch so geknechtet wie ein Sklave. Sein Blick bohrt, sein Kuss als Untertan glüht. Prospero, sein Herr, gewinnt durch Andreas Sigrist die Souveränität des Gelehrten. Er kristallisiert die entscheidenden Sätze shakespearescher Altersweisheit heraus: „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem großen Schlaf umringt“. Sein Prospero ist ein Analytiker, der alles exakt im Griff hat, vor allem Ariel, den er zwingt, dessen Aura er aber auch nicht ganz widerstehen kann. Inbrünstig küsst er den Luftgeist, Symbol der Freiheit und tanzt wie ein Derwisch im Kreis, während Ariel Schicksal spielt und es stürmen lässt. Die Freiheit ist nicht mehr weit.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 3. Feb. 2016

-----

"Der Sturm" am kleinen theater - Kammerspiele Landshut

Sehr intensiv, sehr verdichtet, sehr physisch einerseits, sehr reduziert auf Sprache andererseits: Sven Grunerts Inszenierung von William Shakespeares Märchen "Der Sturm" im kleinen theater – Kammerspiele Landshut ist ebenso konsequent wie konservativ. Konsequent arbeitet sie sich mit großer theatraler Eindringlichkeit in den Text hinein ...
weiter: www.christian-muggenthaler.de, Januar 2016

-----

Oh, Mailand, ach, Eiland !
Sven Grunert inszeniert Shakespeares „Der Sturm“ im Kleinen Theater Landshut

Liebespaar mit Geist und Magier: Julius Bornmann als Luftgeist Ariel, Sebastian Hofmüller als Prinz Ferdinand, Anna Schumacher als Herzogstochter Miranda und Andreas Sigrist als Prospero.

Da hat Sven Grunert für seine Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm“ am Kleinen Theater Landshut eine starke Mannschaft zusammengeholt. Es ist eine der größten Produktionen, die Grunerts Haus je gestemmt hat: Zehn Schauspieler teilen sich die Bühne der Kammerspiele, in deren Zentrum immer wieder das Duo Andreas Sigrist und Julius Bornmann steht: der vertriebene Herzog von Mailand, der sich ein Exil-Zauberreich auf einem Eiland errichtet hat und den Sigrist als besonnenen Humanisten spielt, und sein dienstfertiger Luftgeist Ariel, der ihm helfen soll, den Umstürzlern eine Lektion zu erteilen und sein Amt wiederzuerlangen – Bornmann brilliert hier als durchtrieben-dämonischer Geist, der für seinen Herrn nur das Beste will; nicht zuletzt, um seine eigene Freiheit wiederzuerlangen.

Grunert spielt in Shakespeares letztem Bühnenwerk elegant mit den Wirklichkeitsebenen. Andreas Sigrist empfängt die Zuschauer schon auf der Bühne, erst allmählich wird er zu Prospero. Am Ende wird er sich, wiederum vor dem Publikum, charmant wieder von der Rolle lösen. Unter der Decke hängt die verlorene Vergangenheit: der Stuhl der Macht; dazu ein Pendel, das Sigrists Prospero immer wieder anstößt: Die Zeit ist auf seiner Seite.

Helmut Stürmer hat die Bühne sonst sparsam, aber zweckdienlich eingerichtet: Eine Leiter führt nach oben; eine Treppe unter die Bühne. Links am Mischpult wird vor den Augen der Zuschauer der Ton zugespielt. Rechts gegenüber steht der Schreibtisch Prosperos, wo er seine Magie ausübt. Er entfacht über einem Papierschiffchen den titelgebenden Sturm in einem Wasserglas, der die Männer, die ihm einst die Macht raubten, auf seine Insel spült – kurz darauf betreten die Schauspieler als frisch Angeschwemmte die Bühne. Das Wasserglas-Spektakel wird zudem per Video auf die Bühnenrückseite gespielt. Viel zu schauen also und viel zu hören.

Grunert ist eine schön dichte Inszenierung gelungen, und er schenkt seinen Schauspielern nichts: Bornmann und Sigrist sind am Ende schweißüberströmt, als hätten sie den Kopf gerade erst aus dem Wasser gezogen; und auch für die meisten anderen Darsteller ist es ein sehr physisch anstrengender Abend. Vor allem für die mordbereiten Umstürzler Caliban (Maja Elsenhans), Stephano (Knud Fehlauer) und Trinculo (Sven Hussock), denen Ariel tüchtig einheizt, nachdem sie lärmend, die Weinflaschen schwenkend, über die Bühne marodiert waren. Und auch für die zu unrecht Mächtigen nebst Anhang (Christian Mark als Alonso, Rudi Knauss als Gonzalo, Stefan Lehnen als Antonio und nochmals Knud Fehlauer als Stephano). Am Ende siegen Menschlichkeit – und die Liebe: Die Liebestrunkenheit, die Prinz Ferdinand (Sebastian Hofmüller) und Prosperos Tochter Miranda (Anna Schumacher) erfasst, ist köstlich anzusehen und wärmt das Herz. Nach etwas mehr als zwei Stunden Sturm (ohne Pause) dampft das Kleine Theater und entlässt ein beseeltes Publikum.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 1. Feb. 2016

-----

Der Sturm – In den Landshuter Kammerspielen gelingt Sven Grunert mit kleinem Ensemble ein großer Shakespeare-Abend
Michaela Schabel, 29.Jan 2016
hier der Link zu nachtkritik.de

-----

Großartig: Sven Grunert steht mit seiner “Sturm”-Inszenierung im kleinen Theater unter den Top 10 der deutschsprachigen Bühnen

Großartig: Sven Grunert steht mit seiner “Sturm”-Inszenierung im kleinen Theater unter den Top 10 der deutschsprachigen Bühnen

Sven Grunert sorgt mit seiner Inszenierung von Shakespeares “Sturm” am kleinen Theater Landshut bundesweit und sogar darüber hinaus für Aufsehen. Aktuell hat es Grunert in die “Top 10 des Theaters” auf www.nachtkritik.de geschafft. Dieses Online-Portal mit Sitz in Berlin veröffentlicht Rezensionen zu Theaterpremieren in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz

Guten Morgen Landshut, 8. Feb. 2016

undefinedzur Inszenierung

Foto: Gianmarco Bresadola

« Zurück | Alle Nachrichten »