im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2019 / 2020

Pressestimmen zu "ALLES WAS SIE WOLLEN"

Spiel des Lebens - "Alles, was sie wollen" am kleinen theater Landshut

Manche Menschen sind einfach immer freundlich. Immer gelassen, vernünftig, pragmatisch. Sie bringen impulsive Menschen, eher unfreundliche und egozentrische Leute, schnell auf die Palme. Wie der eine dem anderen den Stachel zieht, zeigt ganz wunderbar die Komödie „Alles, was Sie wollen“ im Kleinen Theater Landshut. Das Stück von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière hat Intendant Sven Grunert flott und mit Liebe für seine Figuren inszeniert, wie übrigens auch sehr erfolgreich deren Vorgänger „Der Vorname“.

Die Ausgangslage hier: Die in sich gekehrte Theaterautorin Lucy hat eine Krise. Ihr fällt nichts ein, worüber sie schreiben könnte – doch ihr nächstes Stück steht schon auf dem Spielplan. Ihr Problem: Sie vermag sich nichts auszudenken, sie braucht lebende Vorbilder, die sie verarbeitet. Als wäre das Leben ein Spiel. Und in ihrem eigenen Leben passiert einfach kein Drama.Als sie zufällig ihren Nachbarn kennenlernt, nimmt ihr Leben eine Wendung. Und seins auch. Denn er lässt sich einfach nicht von ihrer spröden Art abschrecken. Wie sie sich auf seine Hartnäckigkeit langsam einlässt, wie er ihr das reale Leben nahebringt, angefangen damit, dass sie wenigstens die übrigen Nachbarn kennt, ist ausgesprochen amüsant und liebenswert zu sehen.

Stefan Lehnen als Thomas und Katja Amberger als Lucy spielen die beiden Protagonisten wunderbar sympathisch und sehr einfühlsam, auf einer Wellenlänge.Thomas will ja nur helfen. Lucy braucht eine Krise, um zu schreiben? Bitte schön, die Lunte für ihren Ehemann ist schnell gelegt und verselbständigt sich aufs Schönste. Es ist eine Freude, Lehnen und Amberger zuzusehen, wie sie die Geschichte weiterspinnen, wie sich Reales und Ausgedachtes vermischen.

Grunerts Inszenierung legt gleich rasant los und findet wunderbare Bilder im stimmigen Bühnenbild von Helmut Stürmer. Das Ende kommt nach pausenlosen 100 Minuten beinahe unerwartet zart. Die flotte Inszenierung und die fabelhaften Schauspieler bescheren einen vergnüglichen, herzerwärmenden Abend, den das Publikum begeistert feierte. 

Katrin Filler, Landshuter Zeitung, 3. Februar 2020

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Witzig und packend - Erfolgskomödie „Alles was sie wollen“ amüsiert im Kleinen Theater

„Alles was sie wollen“, bekommen sie – herzhaft mit Esprit gespielt von Katja Amberger und Stefan Lehnen.

Sie lässt das Wasser in der Badewanne überlaufen. In seiner Wohnung darunter fängt es zu regnen an. So lernt Lucie ihren Hausmitbewohner Thomas kennen. Zwei ganz konträre Menschen treffen in der Komödie „Alles was sie wollen“ in einer Inszenierung des Kleinen Theaters aufeinander. Sie, ein ungeliebtes Kind, schreibt, lebt in ihrer Welt ganz abgeschottet, reagiert auf jede Störung hysterisch und aggressiv. Er, mit einer Kindheit zwischen Grillen im Garten und Strandurlaub, jetzt ein Steuerberater, sehr ruhig und gelassen, entpuppt sich als witziger und ausdauernder Pragmatiker. Über seine Kochkünste schafft er es, sie näher kennenzulernen.

Dabei kommt das Wesentliche zum Vorschein: hinter den hübschen Fassaden das Chaos des Innenlebens, zwischen den Zeilen jede Menge ironischer Anspielungen auf gesellschaftliche Klischees, treffsicher von Helmut Stürmers Bühnenbild gespiegelt. Der Blick auf eine elegante Wohnstraße suggeriert Reichtum, die Plastikfolie um das Fenster, die kärgliche Einrichtung der Wohnung dagegen Baustellencharakter beziehungsweise Lucies Leere im Hirn.

Die Themen gehen ihr aus. Sie kann nur schreiben, was sie erlebt, und in ihrer glücklichen Ehe mit einem bekannten Schauspieler passiert so gar nichts. Was ihr fehlt, hat er in Hülle und Fülle, originelle Ideen, selbst gegen ihre Schreibblockade.

Ein visionierter Seitensprung bringt ihre Kreativität zurück. „Alles was sie wollen“ scheint in Erfüllung zu gehen. Sie bekommt ihr neues Stück, der Ehemann eine neue Rolle. Doch es ergeben sich unerwartete Figurenkonstellationen.

Heiter entspannte Akzente

Mehr noch als im „Abschiedsdinner“ und „Der Vorname“ entwickelt das erfolgreiche französische Autorenduo Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière mit rhetorischer Eloquenz eine amüsante verschachtelte Boulevardkomödie, mit der Intendant Sven Grunert ganz bewusst heiter entspannte Akzente im Programm schaffen will.

Unter seiner Regie, ohne Pause inszeniert, gewinnt das Stück eine spannende dramaturgische Dichte. Zwischen den verschiedenen Spielebenen entwickeln sich trotz des boulevardesken Schlagabtauschs poetische Momente.

Es ist das Strahlen ihres Blicks, womit Katja Amberger diese Lucie trotz ihrer schrillen Egozentrik von Anfang an sympathisch erscheinen lässt. Wenn sie im blumigen Bademantel (Kostüme Irina Kollek) zu „Ain’t no sunshine“ tanzt und sich jeden Satz stirnrunzelnd abquält, kommt die feminine Seite dieser Figur zum Vorschein, die über ihre Romanfiguren von Emotionen träumt, die sie im Leben nicht zulässt.

An ihrer Seite amüsiert Stefan Lehnen, optisch mit onkelhafter Gelassenheit mit messerscharfen Pointen und boulevardesker Mimik. Beide zusammen wirken trotz der abstrusen Handlung ungewöhnlich authentisch, oszillieren nahtlos zwischen den Spielebenen und lassen trotz der komödiantischen Running Gags zwischenmenschliche Tiefe aufleuchten.

Witzig, packend, poetisch

Unter der präzisen Personenregie Sven Grunerts kommt der Sprachwitz des Stückes bestens zur Wirkung, nicht nur „Nicht witzig, aber packend“, sondern witzig und packend, sehr poetisch und gar nicht kitschig im Schlussbild, wenn beide Hand in Hand vor ihren riesigen Schattenbildern in eine gemeinsame Zukunft blicken.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 5. Februar 2020 und www.schabel-kultur-blog.de, 5. Februar 2020

 

 

Foto: Gianmarco Bresadola

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