im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2018 / 2019

Pressestimmen zu "DAS DING"

Bunte Welt, kreuz und quer
Philipp Löhles Stück „Das Ding“ am Kleinen Theater Landshut

Es gibt da in den Geschichtsbüchern diese Weltkarten mit verschiedenfarbenen Linien, die zeigen, auf welchen Strecken Entdecker wie Kolumbus, Magellan und Cook herumsegelten. Sie förderten für die europäischen Dynasten und Wissenschaften die Erkenntnis darüber zutage, wie die Welt wirklich ausschaut: der Beginn der Globalisierung. Ziemlich folgerichtig, dass Philipp Löhles Stück „Das Ding“, das sich voltenreich mit dem Thema Globalisierung auseinandersetzt, mit einem Dialog zwischen dem Seefahrer Magellan und dem portugiesischen König beginnt.

Und äußerst logisch, dass Regisseur Christoph Leibold ins Zentrum seiner Inszenierung des Stücks mit Darstellern der Fürstenfeldbrucker Gruppe „Theater 5“ eine Weltkarte stellt, auf die die Darsteller mit bunten Kreiden jene Verlaufslinien eintragen, die die Beziehungsströme einer globalisierten Welt kennzeichnen. Bunte Welt, kreuz und quer: Löhle zeigt dies einerseits anhand der Fährnisse eines Baumwollflöckchens und seiner Folgeprodukte, die um den ganzen Erdball reisen, gern mehrere Male, um dergestalt ihre Wertschöpfung beständig zu vergrößern, selbst noch als Second-Hand-T-Shirt.

Andererseits zeigt er das daran, dass inzwischen alles mit allem zusammenhängt, dass also der weltweite Sojabohnenhandel durchaus dafür sorgen kann, dass ein deutscher Metzger just an dem Tag kein Schweinekotelett im Sortiment hat, an dem ein chinesischer Internethändler aus Versehen die Frau des wegen des Kotelettmangels zu spät heimkommenden Metzgerkunden schwer verletzt, in die sich der Mann aus Asien verliebt hat, weil sie im Netz ausgesprochen private Vergnügungen öffentlich zugänglich macht.

Mannomann: So kompliziert ist sie geworden, unsere Welt. Löhle webt aus dieser Komplexität einen sehr dichten Text, und weil dieses globale Durcheinander gar so irre ist, wird naturgemäß eine Farce daraus. Leibold nun, hauptberuflich überaus erfahrener Theaterkritiker, nimmt die Textur des Textes auf, strickt ihn in seinen mannigfaltigen Zusammenhängen auf die Bühne, lässt Figuren und Requisiten ineinanderfließen und entwickelt so eine prägnante Logik des interaktiven Geschehens.

So wie das Ding auf der Welt, geht da beispielsweise eine Aquariumsglaskugel in der Inszenierung beständig von Hand zu Hand, wird immer wieder anders und mit anderen Bedeutungen eingesetzt: Es gibt in dieser Darstellung des Stücks weder Überflüssigkeiten noch Stockungen. Das ist auch den Schauspielern zu verdanken, die hoch konzentriert und feinnervig in immer neue Rollen schlüpfen, die durch kleine Kostümänderungen, sprachliche Überspitzungen und knappe Gesten deutlich voneinander geschieden werden. Präzise spielen das Andreas Beer, Eva Giesler, Eva-Maria Gruber, Lotta Leibold, Aline Pronnet und Matthias Weber aus, mutig auch und genau wegen der darstellerischen Präzision von wunderbar stoischer Komik. Wer also sehen will, wie das Thema Globalisierung überzeugend und mit viel Unterhaltungswert auf der Bühne thematisiert wird, kann sich das noch einmal am 17. Februar (19 Uhr) im Kleinen Theater in Landshut beweisen lassen.

Christian Muggenthaler, Landshuter Zeitung, 5. Februar 2019

Foto: Klaus Schräder

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