im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2018 / 2919

Pressestimmen zu "DER KRAWATTENCLUB"

Eskalation mit Igeln
„Der Krawattenclub“ – ein französisches Büro-Kammerspiel im Kleinen Theater Landshut

So schnell kann eine Freundschaft abkühlen: Bernhard wird 40, aber sein Freund und Architekturbüro-Partner Adrian kann nicht zur großen Geburtstagsfeier kommen, weil er zum monatlichen Treffen seines geheimnisvollen Clubs gehen muss. Rund eineinhalb Stunden lang sieht man nun im Kleinen Theater Landshut dem armen Bernhard dabei zu, wie er verzweifelt versucht, etwas über diesen Club herauszufinden – und dann um jeden Preis Mitglied zu werden.

Der französische Drehbuchautor und Schriftsteller Fabrice Roger-Lacan hat mit seiner durchaus dramatischen Komödie „Der Krawattenclub“ ein Streit-Stück für zwei Personen geschrieben, das Marcus Morlinghaus mit reichlich Witz und Gespür für Tempo und Pausen inszeniert hat. Einziger Schauplatz ist das überschaubar sachlich eingerichtete Büro (Bühne und Kostüme: Luis Graninger). Gerade noch hat man ein erfolgreiches Projekt gefeiert, da kommt überraschend Adrians Absage und ändert alles. Bernhards Gefühlslage wechselt schnell von Enttäuschung und Kränkung zu Wut, um dann umzuschlagen in eine irre Besessenheit, in den Club aufgenommen zu werden.

Sebastian Gerasch spielt den Bernhard wie ein gekränktes Kind, dem man ein Spielzeug vorenthält. Stefan Lehnen setzt einen Adrian dagegen, der immer die Informationshoheit und somit die Kontrolle hat und nur widerwillig etwas über diesen Club preisgibt. Der – man ahnt es bald – ohnehin nicht viel Substantielles hat. Schon der Name: die „Igel“ – samt alberner Igel-Krawatte. Lehnen sagt viel ohne Worte, indem er die Pausen ausdehnt und nur unter streng gekräuselten Augenbrauen ins Nichts blickt.

Das Spiel zwischen den beiden flirrt förmlich zwischen Vertrautheit und Entfremdung. Irgendwann ist Bernhard bereit, alle Überzeugungen (er biedert sich bei einer ihm verhassten Person an) und seine Ehe (er betrügt seine Frau) zu opfern, nur um der albernen Herrenrunde beizutreten, dessen einzige Regel verlangt, dass man zum monatlichen Essen erscheint, sonst fliegt man raus. Wie leer, fragt man sich bald voll Mitleid für diesen Adrian, muss ein Leben sein, dass der Wunsch, einem eigentlich sinnlosen Zirkel beizutreten, so übermächtig werden kann ? Die Inszenierung hält die Spannung über die 90 Minuten mit Leichtigkeit und kommt gegen Ende noch mal in Schwung, wenn sich Bernhard und Adrian ein drolliges Duell mit Büromitteln liefern und sich noch kleine und große Dramen abspielen.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 12. März 2019

Foto: Stefan Geyer

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