im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 1999/2000 - Wiederaufnahme

Pressestimmen zu "Der Messias"

Ihre Komik bezieht Patrick Barlows unorthodoxe Weinachtsgeschichte aus dem regelmäßigen Aus-der-Rolle-Fallen der beiden Protagonisten. Matthias Kupfer (Bernhard) und Stefan Maaß (Theodor) wechseln chamäleongleich die Masken, verwandeln sich sekundenschnell von dilettierenden Schauspielern in Bibelfiguren und wieder zurück. Mit unerschöpflichem Einfallsreichtum hat Gil Mehmert das weihnachtliche Spektakel in bester Monty-Python-Tradition inszeniert. Indem er den Text oft geradezu wörtlich umsetzt, verleiht er den Szenen hintergründige Doppelbödigkeit. Die frohe Botschaft kommt an.

Landshuter Zeitung

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Wie der Perfektionist Theo und der genügsam-simple Bernhard immer wieder an ihrem eigenen Vorhaben scheitern und ständig aus der Rolle fallen, ist einfach zum Wiehern. Und doch: Es gibt diese kurzen Momente, in denen die beiden Freunde großartiges Theater auf die Bühne zaubern.

Was anfangs als rasant-absurdes Mitmach-Kasperl-Spiel in bester Monty-Python-Machart daherkommt - die liebevolle Respektlosigkeit dem überirdischen Thema gegenüber und die Slapstick-Manier des Stücks- wandelt sich nach der Pause zusehends zu einer bewegenden Zerreißprobe der Freundschaft. So stümperhaftes Theater derart minutiös auf den Punkt zu inszenieren, dazu bedarf es schon außergewöhnlicher Schauspieler und einer kongenialen Regie. ´Der Messias´ ist ein mitreißendes Stück - nicht nur für Weihnachtsmuffel

Wochenblatt

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Mit ei­ge­nem Char­me
Pa­trick Bar­lows Weih­nachts­stück „Der Mess­ias“ im Klei­nen Thea­ter Lands­hut

In der Spielzeit 1999/2000 hat der Regisseur Gil Mehmert Patrick Barlows „Der Messias“ am Kleinen Theater Landshut inszeniert. Das Stück hat sich, von einigen Unterbrechungen abgesehen, zum Weihnachts-Dauerbrenner am Haus entwickelt. Es gehört zum großen Landshuter Spielplan. Natürlich: Ganz spurlos sind die zwei Jahrzehnte nicht an der Inszenierung vorübergegangen. Vermutlich würde Mehmert das zweistündige Stück bei einer Neubearbeitung straffen und die Pause weglassen. Aber der Landshuter „Messias“ ist – der Vergleich wurde oft gezogen – wie der „90. Geburtstag“ an Silvester im Fernsehen: Man weiß, was kommt, und schaut trotzdem gebannt hin.

Gute Inszenierungen, die nicht irgendwelchen Moden hinterherlaufen, haben das so an sich. Und das Bisschen, was die Zeit dem Stück genommen hat, machen die Darsteller mit Charme und Witz leicht wett. Und so sitzt man recht behaglich da und schaut Matthias Kupfer und Thorsten Krohn dabei zu, wie sie als Schauspieler Theo und Bernhard versuchen, zu zweit die Weihnachtsgeschichte aufzuführen – mit allen Rollen von Maria und Josef, den drei Weisen und den Hirten.

Und dann wird man doch noch einmal richtig überrascht, weil man vergessen hatte, wie schön die Schafherde umgesetzt war. Allein diese Hirtenszene lohnt den Besuch. Unterstützt werden Theo und Bernhard von Fräulein Timm (Christina Aderhold), die Orgel spielt und singt.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 5. Dezember 2017

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Nach 19 Jahren immer noch ein Renner
„Messias“ als abgedrehte Slapstick-Komödie inzwischen Kult im Kleinen Theater

Premiere war 1998. Jetzt ist Patrick Barlows „Messias“ im Kleinen Theater Landshut in der Inszenierung Gil Mehmerts, nach 19 Jahren, rund 70 Vorstellungen immer noch der Renner vor Weihnachten. Barlows „Messias“ ist in Mehmerts Version eine abgedrehte Slapstick-Komödie. Über die Jahre hat sich wortwörtlich genommene die Geschichte von Maria und Josef inklusive Engelserscheinungen und der der Heiligen Drei Könige als Gag-Spektakel zum Kultcharakter entwickelt. Hauptsache, es wird gelacht. Das spricht sich herum. Ganz neue Zuschauerschichten erschließen sich. Man amüsiert sich mehr über schiefe Perücken als über den zuweilen durchaus sehr zugespitzten Text, der allerdings in der Routine schon etwas verloren gegangen ist. Matthias Kupfer, Thorsten Krohn und Christina Aderhold kennen ihre Rollen aus dem ff. Jeder Gag sitzt. Allein es fehlt der Feinschliff in die Tiefe.

Zwei gestrandete Schauspieler wollen die Geschichte von Maria und Josef auf die Bühne bringen, Thorsten Krohn, der Eloquentere, Matthias Kupfer, der körperlich Expressive teilen sich der Weihnachtsgeschichte. Die Dritte im Bunde, Sängerin Christina Aderhold, kommt später als Organistin, Sängerin und hilfreiche Regieassistentin dazu.

Im Goldenen Rahmen mit rotem Vorhang oszilliert das Stück ständig zwischen tollpatschigen Regieversuchen, dem Auf und Ab mehr oder weniger geglückten Szenen, garniert mit den persönlichen Streitereien und Psychosen der Theaterdarsteller. Das ist schräg, schrill, verwandlungs- und requisitenoriginell, durch Händels „Messias“-Musik und Lichtregie (Matthias Kupfer) zuweilen feierlich im Stil alter Meister, gleichzeitig extrem parodistisch durch die improvisierten Verwandlungen, schrägen Töne auf der alten Orgel und die schrill überdrehten Arien. Matthias Kupfer spielt grimassierend Maria als ständig meckerndes, jammerndes Dummchen, den hilflosen Herodes, gleichzeitig den gutmütigen, strapazierfähigen Schauspieler dahinter. Thorsten Krohn wandelt sich als Josef vom schüchternen Tischler und plumpen Ehemann zum Visionär, als Regisseur vom Chaoten zum Psychoten und blickt als frustrierter Gott hoch oben vom Bilderrahmen auf die Weltenbühne. Beide galoppieren gemeinsam lautmalend durch die Wüste, erscheinen als Erzengel wie schräge Vögel, blöken in der Hirtenszene als Schafe um die Wette und ziehen als Heilig-Drei-Könige zusammen mit Christian Aderhold mit weißen Masken existenzialistisch durch die Welt, den Morgenstern hinter sich herziehend.

Das Publikum lacht auf vor Vergnügen, macht bei den Animationsszenen begeistert mit. Was bleibt? Gelächter.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 6. Dezember 2017

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