im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2019 / 2020

Pressestimmen zu "EDGAR"

Die Schönheit des Schauders
Mit dem Abend „Edgar“ im Kleinen Theater erkunden Matthias und Luisa Eberth das Werk des Dichters Poe in Text und Musik

Wie würdigt man das Werk Edgar Allan Poes, des Meisters der Schauerliteratur? Wohl am besten, indem man seine Sprache und seine Imaginationen in den Fokus rückt. Nichts anderes machen Matthias und Luisa Eberth in „Edgar“ im Kleinen Theater in Landshut – und lassen seine Schriften für einen Abend lebendig werden. Schauspieler Matthias Eberth, der auch die Regie führt, trägt mehrere Kurzgeschichten und Gedichte des Autors über Verlust und ewige, unsterbliche Liebe vor. Die Auswahl fällt auf bekannte und weniger bekannte Werke wie „Der Rabe“, „Das ovale Porträt“, „Das verräterische Herz“, „In schlimmer Klemme – Die Sense der Zeit“.

Matthias Eberth gelingt es, die komplexen Texte Poes in aller Leichtigkeit wiederzugeben. Mal liest er in schnellem, mal in langsamen Tempo und betont dabei an den richtigen Stellen. Seine Stimme setzt er mal sanft, mal kraftvoll ein, er wird lauter, redet sich in Rage, brüllt und gestikuliert wild. Kurzum: Er haucht den Werken Poes Leben ein und reißt dabei das Publikum mit. Als Verschnaufpausen und ausgleichendes Element fungieren die Lieder von Luisa Eberth. Die Sängerin, Songwriterin und Pianistin hat sieben Gedichte Poes vertont. Sie spielt die Stücke am Klavier schwermütig, düster-melancholisch, dann wieder flott und heiter. Ihre Stimme klingt leidend und dunkel, wenig später singt sie sich die Seele aus dem Leib und erzeugt das eine wie das andere Mal Gänsehaut.

Matthias und Luisa Eberth sind Vater und Tochter. Bei ihrem Auftritt bleiben sie zwei eigenständige Künstler, die auf der Bühne ihre Talente vereinen und sich dabei wunderbar ergänzen und harmonieren. Ein wichtiger Bestandteil der Inszenierung sind die an die Wand projizierten Illustrationen, die Martin Müller geschaffen hat. Sie zeigen zentrale Elemente aus den vorgetragenen Werken. Zu sehen sind unter anderem ein Geierauge, ein Herz und ein Rabe. In dem Stil, in dem die Bilder gezeichnet sind, könnten sie aus Gemälden aus der Epoche der Romantik entstammen, bleiben dabei jedoch immer diffus und geheimnisvoll. Bei aller Melancholie darf zwischendurch aber auch gelacht werden. Etwa bei der Kurzgeschichte „In schlimmer Klemme – Die Sense der Zeit“, deren Inhalt so überspitzt absurd-makaber ist, dass ein Lachen die Anspannung löst. Alles in allem ist mit „Edgar“ ein Gesamtkunstwerk entstanden, das einen schaurig-schönen Abend für Liebhaber der Schwarzen Romantik verspricht.

Kerstin Petri, Landshuter Zeitung, 10. Dezember 2019

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Gruselig skurrile Geschichten
Die inszenierte Lesung „Edgar“ eröffnet im Kleinen Theater Landshut einen interessanten Blick auf Edgar Allan Poe und seine skurril grauseligen Geschichten.

Sie, Luise Eberth, sitzt im Lichtkreis, singt und improvisiert am Klavier, die blonden Haare hochgesteckt, im langen Kleid aus fließendem Stoff Inkarnation einer romantischen Frau aus einer von Edgar Allan Poes romantischen Geschichten. Vis-a-vis liest Matthias Eberth in der Rolle Edgar Allan Poes aus dessen Texten.

Mit mikroskopischer Erzählfreude beginnen Ansätze psychotischer Charaktereigenschaften wie im Delirium eines Rausches ein unerwartetes Eigenleben zu entwickeln, das immer grauselig endet.  Zwischen Dichter und fiktiver Figur werden weiße Kreise zu Projektionsflächen für des Dichters Phantasien, die befüllt mit witzig animierten Comics die  Geschichten illustrieren und in unsere Zeit transponieren (Bühne/Video Martin Müller).

 „Dreamland“  singt Luisa Eberth, wie alle weiteren Songs zauberhaft einfühlsame  Eigenkompositionen zu sieben Gedichten Edgar Allen Poes, womit sie „Edgars“ Höhenflüge über die Regionen der Gebirge hinweg in luftige  Himmelshöhen und deren tödlichen Abstürze in einem halben Dutzend Geschichten untermalt und interpretiert.  Von der Liebe zur Liebsten, die der Mann, von ihrer Schönheit betört, im Turm eingeschlossen so lange malt, bis sie tot umkippt, spannt sich der narrative Bogen immer noch eine Spur abstruser bis zur alten Lady, die von den Zeigern der Turmuhr durchstochen wird. Doch in jeder Geschichte steckt eine tiefsinnige Botschaft. Sind wir nicht alle Opfer der Schönheitsideale  und der Zeit?

Matthias Eberth liest nicht nur Poes Texte, er spielt die Rolle des mit seinen Hirngespinsten ringenden Dichters, dessen wild bewegtes, oft alkoholisiertes  Leben den Erfahrungsschatz für seine skurrilen Geschichten lieferte. Durch Matthias Eberths dynamischen Sprachgestus, seine markante  Stimmlagen, expressive  Mimik und Gestik gewinnen die Texte über ein Hörspiel weit hinaus eine hochdramatische Bühnenwirksamkeit, karikiert durch die animierten Projektionen und poetisiert durch die wunderbar auratische Präsenz Luisa Eberths mit ihren zwischen den Epochen oszillierenden Songs und expressiven Stimmlagen. Sie schmeichelt, flüstert, koloriert und röhrt, setzt am Klavier dissonante Effekte und lässt die Lieder wie vom Wind verweht ausklingen. 

Das ist ein gelungener Abend, der die Sprache und Handlungsmotive einer vergangenen Epoche neu aufstrahlen lässt, die latenten archetypischen  Handlungsmuster entdeckt und sie subtil mit unserer Zeit verknüpft.

Michaela Schabel, www.schabel-kultur-blog.de, 9. Dezember 2010 und Landshut aktuell, 11. Dezember 2019

Foto: Christine Vinçon

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