im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2017 / 2018

Pressestimmen zu "Frankenstein"

Glückliche Wiedergeburt
Gil Mehmert zeigt am Kleinen Theater Landshut erneut seinen zauberhaften "Frankenstein"


Zwischen den Bildern da oben liegen 25 Jahre, was man am ehesten daran merkt, dass das ältere der beiden nur zwei Farben hat, schwarz und weiß. Damals wie heute sitzen Matthias Kupfer und Eckhard Preuß auf einem Sofa, damals wie heute schaut einer der beiden entsetzt, damals Kupfer, heute Preuß. Und Preuß spielt Cello. Eigentlich spielt er gar nicht richtig Cello. Er macht auf dem Instrument während der Aufführung ein paar Töne, nutzt es als Spielkameraden, der auch eine Person verkörpern kann, er knarzt und gurrt damit herum, um einen zarten Grusel-Soundtrack zu basteln.

Das Kleine Theater Landshut feiert in dieser Saison sein 25-jähriges Bestehen, und vor 25 Jahren inszenierte dort Gil Mehmert "Frankenstein", nach "Motiven von Mary Shelley", aber im Kern ist die Vorlage weniger deren Roman, sondern eine der Verfilmungen von diesem. Vor 25 Jahren gab es das Kleine Theater in seiner bestehenden Form, dem prächtig renovierten Rottenkolberstadel, noch gar nicht; man spielte in einem kleinen Hinterhaus, offenbar so gut, dass die Stadt Landshut beschloss, der Truppe um Sven Grunert ein neues Haus zu bauen. Beziehungsweise ein altes Haus in ein neues Theater umzuwandeln. Und dort, im inzwischen nicht mehr ganz neuen, aber immer noch sehr schönen Haus, erweckte Gil Mehmert seine Inszenierung von 1993 zu neuem Leben, was ja zum Stoff passt.

Es ist der Inszenierungsstil, in dem Mehmert auch ein paar Jahre später herrliche Wunderstücke im Metropol-Theater schuf, unvergessen etwa "I hired a contract killer". Beim "Frankenstein" reichen zwei äußerst unternehmungslustige Schauspieler, um eine Welt entstehen zu lassen, mit vielen Geräuschen, die sie alle mit ihren Körpern selber machen. Die Welt ist voll mit vielen Figuren, die zu spielen eine reine Lust sein muss. Jedenfalls vermitteln Preuß und Kupfer eine glücklichmachende, wache Freude an ihrem Tun. Viel Ironie ist da drin, natürlich, es ist federleicht und klug, weil die Inszenierung auch mit den Chiffren des Genres Horrorfilm spielt, aber nie die Geschichte aus dem Fokus verliert.

Diese Art von Theater altert nicht, auch wenn die beiden Akteure älter geworden sind. Aber sie sind immer noch gut beieinander, tun so, als improvisierten sie im Moment, aber das ist geschwindelt, denn alles ist hier präzise gebaut. Und wenn dann doch einmal eine der wenigen überhaupt vorhandene Requisiten fehlt, dann fragt der eine halt den anderen, wo zum Beispiel die Zigarette sei. Zigarette ist auch gut für Nebel, ohne den geht es ja im Horrorfilm nicht. Das ist schönstes analoges Theater, das eine Geschichte so erzählt, als höre man sie neu, obwohl man sie natürlich auswendig kennt. Für Preuß und Mehmert war "Frankenstein" der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit. Zwölf Theaterstücke und zwei Filme haben sie gemacht. So könnte es eigentlich weitergehen.

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 23. März 2018

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Der Tote im Cellokasten
Das Kleine Theater Landshut schenkt sich zum 25. Geburtstag ein Remake seinen "Frankenstein"-Hits

Wenn ein formschöner Pudding zur Hirnmasse eines Verbrechers wird, ein Cellobogen zum Gewehr und ein altes Radio zum Galvanisationsgerät, wenn eine Schreibtischlampe den Mond in alptraumhafter Nacht aufglimmen lässt und ein Trenchcoat als Gehenkter am Galgen baumelt, dann ist man mittendrin in Gil Mehmerts genial verspielter Theaterwelt.

1993 landete der Regisseur mit seiner Minimalversion von "Frankenstein" im Kleinen Theater Landshut einen Publikumshit. Gerade mal zwei Schauspieler nahmen sich des Schwarz-Weiß-Horrorklassikers aus dem Jahr 1931 an, der sehr frei mit Motiven aus Mary Shelleys Schauerroman umging, aber Boris Karloffs Monster zur Ikone werden ließ.Zu zweit spielten sich die beiden durch sämtliche Rollen - vom genialen, Grenzen überschreitenden, düsteren Wissenschaftler über seine zarte Braut bis zum mordenden Monster und dem aufgebrachten Mob. Und dazu nutzten sie nur die wenigen Requisiten, die die ohnehin karg bestückte Bühne hergab. Es war ein herrlich schräger Abend. Und eine Liebeserklärung ans Theaterspielen.

Was lag näher, als zum Frankenstein-Jubiläum - vor 200 Jahren erschien Mary Shelleys Roman - das Stück erneut auf den Spielplan zu setzen? Als Geburtstagsgeschenk sozusagen. Denn Sven Grunerts Kleines Theater feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Was mit einem Stück und einer Monatsmiete für eine kleine Hinterhausbühne begann, hat sich längst zum festen Bestandteil der städtischen Kulturszene entwickelt - mit einem eigenen Haus im extra umgebauten Rottenkolber-Stadel aus dem 16. Jahrhundert und gut 180 Vorstellungen im Jahr. Der Ruf reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die kleine Truppe um Sven Grunert macht radikales, couragiertes Herzschlagtheater und wird eingeladen auf Festivals im In- und Ausland, von Augsburg bis Zagreb.

Zum 25. Geburtstag also ein Remake der Kult-Inszenierung von 1993. Man holte denselben Regisseur und mit Matthias Kupfer und Eckhard Preuß dieselben Schauspieler von damals, stellt das Biedermeiersofa (neu bezogen) auf die Bühne, den Kleiderständer, den Servierwagen mit der Schreibtischleuchte. Und schon kann es losgehen: Zwei Herren im Anzug sind Mr. Frank und Mr. Stein, die sich spielwütig ins cineastische Abenteuer stürzen. Aber halt! Vor dem Vorspann die Warnung! Kurzes Geplänkel. Dann die Friedhofsszene. Frankenstein. Sein Faktotum. Das gestohlene Hirn. Elisabeth. Das Monster. Hybris. Verzweiflung. Mord.

Hinreißend ist dieser Rollenmarathon von Matthias Kupfer und Eckhard Preuß, die es tatsächlich schaffen, jeder ihrer zahlreichen Figuren unverwechselbare Züge zu verleihen. Wenn Preuß als Elisabeth treu sorgend säuselt oder Kupfer als Frankensteins Freund mit einem Kamm als Schnauzer vorm Gesicht sie anhimmelt, wenn beide hinterm Sofa das Volk mimen oder zweimal den Kleiderständer umrunden, um die lange Wendeltreppe zu simulieren, wenn sie zu zweit drei, vier, fünf Personen in einer Szene gleichzeitig spielen und immer wieder planmäßig aus ihren Rollen fallen - das ist schon großer Theatersport. Ein Fest für Schauspieler: abgründig, aberwitzig, poetisch, federleicht. Licht, Ton, Musik, Rhythmus, Spiel - alles folgt einem präzise austarierten Konzept. Und weil Gil Mehmerts Komik so erfrischend fantasievoll ist, wird auch das "Frankenstein"-Remake mit Sicherheit ein Publikumsrenner.

Donaukurier, 26. März 2018

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Das gibt wie­der Trä­nen
Gran­dios wie schon 1993: „Fran­kens­tein“ im Klei­nen Thea­ter Lands­hut – in al­ter Be­set­zung mit Mat­thi­as Kup­fer und Eck­hard Preuß


Kinder, wie die Zeit vergeht! Gerade saß man doch noch im ganz jungen Kleinen Theater Landshut und sah eine neue Art von Theater: Zwei junge, leidenschaftliche Schauspieler in einem reduzierten Wohnzimmer-Bühnenbild trieben den Zuschauern mit einem Horrorklassiker die Lachtränen in die Augen. Nach 25 Jahren hatte „Frankenstein“ jetzt am Kleinen Theater wieder Premiere. Konnte das gutgehen ? Mit denselben Schauspielern ? Die jetzt natürlich nicht mehr so jugendlich-frisch sein würden. So ein furios guter Theaterabend ist doch nach so langer Zeit nicht zu wiederholen. Doch! Die Premiere am Sonntag zeigte: Das Stück braucht keine jungen Schauspieler, es braucht sehr gute. Die standen mit Matthias Kupfer und Eckhard Preuß – wie 1993 – auf der Bühne, wieder inszenierte Gil Mehmert. Er brachte etwas Zug in die Geschichte, sie wirkte stringenter, durchdrungener, aber nicht gealtert.

Noch immer einfach großartig. Wieder flossen Tränen. Alles spielt sich auf einem parkettbelegten Podest in der Mitte der Bühne ab. Swingmusik und ein loriotartiges Sofa, auf dem Kupfer als Mr. Frank gerade leicht manieriert von einem Pudding nascht, setzen den Ton. Dann klingelt Mr. Stein (Preuß), und schon ist man wieder mittendrin. Das hastige Ziehen an einer Zigarette, um Nebel zu simulieren, die Umrundung des Garderobenständers, um eine Wendeltreppe zu zeigen, oder ein Cellokasten als Sarg: Solche Einfälle, in denen die wenigen vorhandenen Gegenstände zur Filmrequisite umfunktioniert werden, bleiben immer charmant. Denn darum geht es ja: Mr. Frank und Mr. Stein spielen den Film „Frankenstein“ von 1931 mit ihren Mitteln nach. Sie gehen als Fans vollkommen darin auf. So wie Preuß und Kupfer, die grandios spielen – alle Rollen: Dr. Henry Frankenstein, seinen Gehilfen Fritz und sein Monster, die Verlobte Elisabeth, deren Bekannten Victor, Frankensteins Lehrer Prof. Waldmann und seinen Vater Baron von Frankenstein, die kleine Maria, feierndes Dorfvolk. Leidenschaftlich springen sie von Rolle zu Rolle, zeigen auch Szenen mit drei und mehr Personen mühelos spritzig. Dafür brauchen sie nicht einmal Kostümwechsel, den beiden reichen Körpersprache, Mimik, Stimme. Und das Monster möchte man am liebsten tätscheln.

Ein großes Schauspielfest ! Kupfer, Preuß und Mehmert haben das Kleine Theater von Anfang an begleitet. Größe aus Reduktion zu gewinnen, ist Mehmerts Markenzeichen und gilt auch für das Landshuter Haus. Zum 25. Jubiläum dieses Stück aus den Anfangstagen in derselben Besetzung zu zeigen, führt die Basis der Arbeit am Kleinen Theater vor Augen und erinnert daran, warum das Haus noch heute so gut funktioniert. Am Sonntag gab es Bravorufe, Pfiffe und langen Applaus für eine leidenschaftliche, hervorragende, köstliche Inszenierung. Wer das verpasst hat, hat wirklich was verpasst.

Katrin Filler, Landshuter Zeitung, 20. März 2018

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Tiefschwarzer Monster-Humor
"Frankenstein" ist am kleinen Theater endlich zurück auf der Bühne

Frankenstein bzw. sein kreiertes Monster sind für britisch-schaurige Stunden immer gut. Wenn „Frankenstein“ im Kleinen  Theater auf die Bühne kommt, dann hat das Geschichte. Man könnte auch sagen: Frankenstein ist „Back on stage“: Nach 25 Jahren kehrte das Kultstück, erneut inszeniert von Gil Mehmert, zurück auf die Landshuter Bühne. Es ist ein unglaublicher Spaß mit rabenschwarzem Monster-Humor.

Landshut 1993: „Frank und Stein“ gehörte zu Anfangsstücken des kleinen Theaters. 25 Jahre später, im Jubiläumsjahr, ist es wieder da. Dabei sind die Schauspieler (und in gewisser Weise auch „Ur-Gesteine“) von einst: Matthias Kupfer und Eckhard Preuß als Mr. Frank  und Mr. Stein. Im Gepäck auch die gleiche Bühnenidee: eine Bühne, ein Cello, ein Sofa, ein Kleiderständer, die Requisiten  minimalistisch. Und im Mittelpunkt: der Film „Frankenstein“ aus dem Jahr 1931, den die beiden nachspielen.

Ein gelungenes Remake?

Unbedingt! Nach schnellen 70 Minuten ist es – leider – schon vorbei. Das hängt im besten Sinn mit Matthias Kupfer und Eckhard Preuß zusammen, zwei kongenialen Partnern. An ihnen sind die 25 Jahre naturgemäß nicht spurlos vorbeigegangen, aber ungebrochen ist ihr Spielwitz, ihre großartige Mimik, ihre Wandelfähigkeit, ihre Improvisationskunst. In atemberaubendem Tempo sind die beiden auf der Bühne unterwegs: Sofa rauf, Sofa runter, ein paar Mal rundherum um den Ständer, der als Wendeltreppe mutiert, hinauf auf das Rolltischchen, das auch zum Rollstuhl umfunktioniert wird. Sie machen das spritzig und witzig wie es ihre Rollen verlangen. Und diese sind viele: Dr. Henry Frankenstein, sein Vater, der Baron Frankenstein, Gehilfe Fritz, das Monster, Elisabeth, die Verlobte, dazu der Bekannte Victor, Frankensteins Lehrer Prof. Waldmann, das kleine Mädchen Maria, der Bauer, das Dorfvolk.

Und das Publikum kommt aus dem Staunen und Lachen nicht heraus. Als Eckhard Preuß als Monster augenverdrehend sich den Theaterbesuchern nähert, um sein nächstes „Opfer“ auszusuchen, brüllt der ganze Saal. Wer das vor 25 Jahren nicht erlebt hat, sollte es sich diesmal nicht entgehen lassen.

Zurück bleibt ein grandioser Abend, bei dem kein Auge trocken bleibt.

Ulrike Aigner, Wochenblatt, 21. März 2018

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Amüsant statt gruselig
„Frankenstein“ im Kleinen Theater

Wieder neu aufgelegt, präsentiert das Kleine Theater Gil Mehmerts Kultinszenierung von „Frankenstein“ nach Motiven von Mary Shelleys gleichnamigen Roman (1818), wie schon zuvor mit Matthias Kupfer und Ekkehard Preuß in mehreren Rollen. Was 1993 zündete, funktioniert auch in der überarbeiteten Reproduktion bestens. Zwei Schauspieler wagen das Abenteuer „Frankenstein“ als Film auf die Bühne zu bringen inklusive Vorwarnung und Vorspann. Noch könnten Ängstliche das Gruselkabinett verlassen. Doch man merkt sofort, dass die legendäre „Frankenstein“-Verfilmung von 1931 charmant, voller Esprit in eine amüsante Moritat verwandelt wird.

Gil Mehmerts Inszenierung lebt von originellen Reduktion. Mimischer Ausdruck, atmosphärische Lautmalerei und ein paar Requisiten genügen um „Frankenstein“ zum Leben zu erwecken und die Filmillusion mit theatralen Mitteln zu parodieren. Rund ein Dutzend Rollen spielen Matthias Kupfer und Ekkehard Preuß im fliegenden Wechsel, teilweise alternierend als frühlingshaftes Vogelgezwitscher und zusammen als rebellisches Volk. Entsprechend rasant sind die Schnitte und Überblendungen, jede Szene eine originelle Überraschung, die das Publikum mit viel Gelächter honoriert.

War Matthias Kupfer 1993 als Frankenstein, Dr. Waldheim, Bürgermeister, Dienst- und Bauernmädchen der eloquente Part, Ekkehard Preuß als Monster, Frankensteins Gehilfe, Vater und Braut Elisabeth und als Bauer der Grobmotoriker, so ist jetzt die spielerische Expression auf beiden Seiten sehr ausgewogen, wodurch das Spiel präziser wirkt und die Effekte besser zur Wirkung kommen. Das Cello wird zum Sarg, der Mantel an der Garderobe zum Gehängten, das Puddingtörtchen zum normalen Gehirn, als Pudding gerührt zum formlosen Gehirn eines Verbrechers, dass Fritz aus der Universität stiehlt. So nimmt das Unglück seinen Lauf. Frankensteins hybride Höhenflüge als Gott, der Menschen kreiert, weichen der Angst vor dem Terror des Monsters. Mit Licht und Schatten, Cellotönen und menschlichen Lauten spitzt sich die Lage humoristisch zu. Das Monster, das Ekkehard Preuß mit roboterhafter Motorik und debilem Gesichtsausdruck mimt, mutiert zum Serienkiller. Ein bisschen stummfilmartig dumm naiv sind fast alle Figuren gezeichnet. Die Morde werden zu Moritaten und die Stimmung wird immer heiterer und die Inszenierung im Abspann im Laufschritt um das Kanapee in allen Rollen amüsiert beklatscht.

Die nächsten Vorstellungen werden schnell ausverkauft sein. Aber „Frankenstein“ ist auch in der nächsten Spielsaison zu sehen.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 11. April 2018

Fotos: Stefan Klein
Matthias Kupfer und Eckhard Preuß 1993
Matthias Kupfer und Eckhard Preuß 2018

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