im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2017 / 2018

Pressestimmen zu "Frau Luther kocht !"

Eine Frau, die nicht gehorchen will
Wie „Frau Luther kocht“ und einiges mehr präsentiert Barbara Kratz im Kleinen Theater

40 bis 50 Personen bekochte Frau Luther, geborene Katharina von Bora, tagtäglich, Adelige und Wichtige, Knechte und Mägde, sechs eigene und neun Pflegekinder. Im Kleinen Theater haben nur 32 Gäste Platz. Sie sitzen im Viereck im Foyer, essen und trinken, während Barbara Katz in die Rolle von Frau Luther schlüpft. Sie wischt sich die Schminke ab, die war damals nur für Prostituierte, zieht ein Ungetüm von Rock an, tauscht die Stöckelschuhe gegen Holzpantoffeln und versteckt ihr Haar sittsam unter einem Haarnetz. Als Frau Luther erzählt sie aus der Retrospektive aus deren Leben und verwandelt kochend am Herd das Theaterfoyer in deren einstige Burse. Es gibt nicht Brathering mit Erbsenbrei, Luthers Lieblingsgericht, sondern original Wittenbergischen Bohneneintopf, mit Lauch statt Speck auch eine vegetarische Variante.

Unter der Regie von Diana Anders, die den Text nach ausführlichen Recherchen aus den Briefen und Schriften Luthers verfasst hat, fokussiert Barbara Katz ganz auf Luthers Frau, zunächst auf ihr Leben im Kloster, dann an der Seite Luthers mit großem ökonomischem Geschick und einer herzhaften Art sich durchzusetzen. Sie bespöttelt das Klosterleben, plaudert aus dem Nähkästchen der Ehe, wird kurz einmal nachdenklich, doch die lebensfrohe Grundhaltung behält Oberwasser selbst in schwierigsten Lebenssituationen. Frau Luther erweist sich als Stehaufmännchen, arbeitet sich immer wieder hoch, und selbst als verarmte Witwe strahlt sie in ihren letzten schmerzvollen Lebensstunden noch eine umwerfende Warmherzigkeit aus.

Luther wird zur Randfigur einer starken Frau, gelegentlich zitiert und immer wieder liebevoll ironisiert. Sie hatte mit ihm die ideale Arbeitsteilung. „Er gab aus. Sie nahm ein.“ Liebevoll erzählt diese Frau Luther von ihrem Mann, dem Rebell, dem Vogelfreien, dem Wüstling, der er so gar nicht war. Sein Wille zur Wahrheit beeindruckte sie und seine Auslegung des Glaubens passte bestens zu ihrem Naturell. „Gott will, dass wir fröhlich leben“. Dazu gehörten bei Luthers Gastmahlen auch derbe Scherze wie das Glas, aus dem man nicht trinken kann, weil es wegen der feinen Löcher feinste Herren bekleckert oder das Furzkissen aus Kalbsmagen.

Angezogen wie auf Cranachs Ölgemälde, zeichnet Barbara Katz statt der vergeistigten Kunstversion eine herzhaft, kraftvolle und tatkräftige Katharina von Bora. Als Frau Luther will Barbara Katz alle ihre Gäste immer wieder im Blickfeld haben und als Chefin der neu eröffneten Burse delegiert sie natürlich einfache Serviertätigkeiten an drei Männer aus dem Publikum.

So kreieren Diana Anders und Barbara Katz Frau Luther sehr plastisch, herzhaft nostalgisch als erste emanzipierte Frau im Mittelalter. Es ist ein fröhlich dahin plaudernder Abend mit Glitzerkonfetti aus dem alten Ofenrohr und einem orientalischen Konfekt zum Abschluss.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 8. November 2017

-----

Sie hat hier die Ho­sen an
„Frau Lut­her kocht“ mit Bar­ba­ra Kratz im Klei­nen Thea­ter Lands­hut

"Trinkt auf das wunderbare Leben ! Es ist kurz genug.“ Katharina von Bora weiß, wovon sie spricht. Sie kam als Kind ins Kloster, wo sie nichts zu lachen hatte. Ein lustvolles Leben, wie sie es später an der Seite Martin Luthers führen sollte, kannte sie bis zu ihrer Flucht aus den Klostermauern nicht. Und nach dem Tod des Reformators wurde sie gewissermaßen wieder zur Flüchtenden.

„Frau Luther kocht“ heißt das Programm, das Diana Anders geschrieben und inszeniert hat. Das Publikum sitzt an hufeisenförmig angeordneten Tischen im Foyer des Kleinen Theaters in Landshut. Es gibt Brot und Aufstrich, Wasser, Rot- und Weißwein. Die knapp drei Dutzend Gäste sehen gleich zu Beginn, wie aus Barbara Kratz Katharina von Bora wird. Und schon legt sie los. In raumgreifend wallendem Kleid und mit Haarnetz auf dem Kopf lässt die Schauspielerin die Frau Luther munter erzählen: von ihrer Zeit im Kloster, von der Flucht aus demselben, vom Treffen und vom Zusammenleben mit Luther. Man sieht eine Frau, die für ihre Zeit unglaublich emanzipiert war.

Martin Luther mag der große Reformator gewesen sein – aber seine Frau hatte die Hosen an. Sie sorgte für das Einkommen, indem sie den Garten bewirtschaftete und gegen Entgelt mit der Burse, einem Mittagstisch, ihr eigenes Unternehmen betrieb. Und nun sitzt man also wieder am Tisch der Frau Luther, die stolz ihren Küchenwagen präsentiert und sogleich ihre Suppe zu kochen beginnt – einmal mit Fleisch, einmal vegetarisch. Drei Herren aus dem Publikum werden engagiert, die vollen Suppenteller zu verteilen. Der Ton des Abends ist insgesamt launig, vor allem, wenn es um die Scherzartikel im Hause Luther geht: kleckernde Gläser und Furzkissen. Umso mehr geht es zu Herzen, wenn sie von ihren beiden früh gestorbenen Kindern erzählt. Da darf Barbara Kratz dann ihre Schauspielkunst aufblitzen lassen.

Ab und zu kommt es zu wilden Zeitsprüngen, wenn etwa Frau Luther über Kindesmissbrauch in der Kirche spricht. Oder von ihrem syrischen Flüchtling erzählt und selbstbewusst verkündet: „Bei mir radikalisiert der nicht. Hier herrsche ich !“ Hinreißend sind die kleinen Dialoge mit dem Publikum, das immer wieder fröhlich auf die Ausführungen der Frau Luther eingeht.

Ein unterhaltsamer Abend, der ein Gesellschaftsbild der Lutherzeit zeichnet. Und satt macht !

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 15. November 2017

« Zurück | Alle Nachrichten »