im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2016 / 2017

Pressestimmen zu "Geächtet"

Die Schattierungen des Gockelkampfs
Tückischer Text, sehenswerte Umsetzung: Ayad Akhtars „Geächtet“ in Landshut

Ob der religiöse und kulturelle Hintergrund einen Menschen prägt, oder ob er dessen regelrechter Gefangener ist, ob besagte Prägungen ein Fundus sein könnten für vielfarbige Bereicherung, oder ob sie nicht doch nur Material sind für handelsübliche Schwarz-Weiß-Malereien: Das Stück „Geächtet“ von Ayad Akhtar spielt raffiniert mit Vorurteilen, Schnellverurteilungen, Schubladisierungen. Das funktioniert deshalb so hinterrücks gut, weil sich der – preisgekrönte – Text des amerikanischen Autors vordergründig der klassischen Boulevard-Situation bedient. Im Zentrum steht ein Souper zweier Ehepaare. Das Gastgeberpaar wird ausführlich gezeichnet: Emily, eine Kunstmalerin christlicher Provenienz, Amir, ein erfolgreicher Wirtschafts-Rechtsanwalt, dessen Eltern, wie die des Autors, Pakistani sind. Eine Ehe voll routinierter Toleranz. Das Gastehepaar mit jüdischem Hintergrund wiederum ist mit den beiden beruflich verbandelt: Isaac ist Ausstellungskurator, Jory Amirs Kanzleikollegin. Eine Spielsituation, die das Publikum regelrecht einlullt.

Die wechselseitigen Abhängigkeiten und wachsenden Animositäten, die Geheimnisse, die diese Menschen voreinander haben und die allmählich an den Tag treten, die zunehmende zwischenmenschliche Katastrophe: All dieses Treiben gehört zur handelsüblichen Boulevard-Ware, wird von Akhtar aber tückisch für noch weit Boshafteres benutzt. Denn für diese vier Menschen wird in ihren immer feindseligeren Auseinandersetzungen die jeweilige Religion plötzlich zur rhetorischen Waffe.

Vor den Augen des Publikums bekriegen sich vor allem die beiden Männer; aber es ist nicht die jeweilige Religionszugehörigkeit, die sie dazu zwingt, sondern sie zwingen diese, ihnen im Gockelkampf behilflich zu sein. Plötzlich befindet man sich sehend im Kern des Problems: Die Religion ist kein Grund für Intoleranz, die Streitlustigen nutzen sie aber gern als nächstliegende Munition. Und wer, auch das erzählt „Geächtet“ in einem Nebenstrang, sichtbar einem anderen Kulturkreis entstammt, dessen Kreis wird schnell als Gefängnis um ihn gezogen, wenn er ihn nicht sowieso sogar selbst zieht. Mit dieser Kreisziehung bekommt es auch das Publikum zu tun. Denn wenn Amir im Lauf des Abends stockbetrunken etwas tut, was man nie tun darf, dann legt der Autor zwar auf den ersten Blick nahe, auch dies habe religiöse Hintergründe. Weil Amir zwar intellektuell dem Islam entkommen ist, emotional aber nicht. Das wird recht fies verknüpft.

Auf den zweiten Blick jedoch gibt es – deshalb nicht bessere – bloß archaisch-männliche Gründe für sein Handeln. „Geächtet“ malt eben genau nicht Schwarz-Weiß. Sondern bedient die Schattierungen. Dass das Kleine Theater – Kammerspiele Landshut diesen Bühnenstoff nach Niederbayern bringt, ist allein schon beachtlich.

Theaterleiter Sven Grunert bemüht sich traditionell um das Vermitteln aktueller Werke. Weil das Theater immer auch Beiträge liefern sollte zu aktuellen Debatten. Und weil Grunert das so wichtig ist, hat er das Stück auch gleich selbst inszeniert. Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Präzision und Routine. Sein Stamm-Bühnenbildner Helmut Stürmer hat ihm einen offenen Raum gebaut, in dem die Insignien der Bürgerlichkeit auf eher vagen Beinen stehen, die Kostüme von Luci Hofmüller sind unaufdringlich.

Die Inszenierung rhythmisiert den Text auch mit Hilfe von Musik und Licht, setzt klare Zäsuren und verpflichtet die Darsteller ansonsten auf realistisches Spiel. Schließlich geht es auch genau darum, den Fokus auf die menschlichen Gesichter hinter der rhetorischen Religions-Maskerade zu setzen. Und nach einem etwas mühseligen Anlauf-Viertelstündchen funktioniert das Konzept auch.

Im Zentrum steht kraftvoll und charismatisch Stefan Lehnen als Amir, ein Kämpfer, der seine Traditionen abschütteln will, aber zu spät bemerkt, dass Angepasstheit nur die andere Seite derselben Medaille ist. Um ihn herum ein sehenswertes Spielerquartett mit Louisa Stroux als ihm ebenbürtige Kämpferin, die mit bemerkenswerter Kraft und Hingabe für die Werte von Verständnis und Toleranz eintritt, Maja Elsenhans als vergnüglich bissige, selbstbewusste Dame von Welt, Andreas Sigrist als grandios arroganter Isaac und Sven Hussock, der ein wenig darunter leidet, dass seine Rolle des bewussten Moslems Abe/Hussein im Text recht farblos bleibt, ihr aber ein gehöriges Pfund Lässigkeit mitgibt. Stückwahl und Umsetzung verdienen das Prädikat sehenswert.

Christian Muggenthaler, Landshuter Zeitung, 27. Februar 2017

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“Geächtet” feiert Premiere im kleinen Theater
Sven Grunert gibt dem arg gehypten Stück eine Tiefe, die es vielleicht gar nicht hat

Die „Zeit“ nannte es Anfang 2016 „das perfekte Drama für Deutschland nach der Kölner Silvesternacht“. Einige Monate später folgte die Wahl zum „besten ausländischen Stück des Jahres“. Inzwischen wird „Geächtet“ von Ayad Akhtar im deutschsprachigen Theaterraum rauf und runter gespielt – und zwar nicht irgendwo, sondern u.a. am Wiener Burgtheater, in München am Residenztheater … und jetzt auch am kleinen Theater Landshut. Intendant Sven Grunert hat das Stück inszeniert, übrigens seine letzte Regiearbeit im ersten 25-Jahres-Zyklus des Hauses. Freitagabend war Premiere.

Im Mittelpunkt steht Amir. Er ist Anwalt in New York, entstammt einer pakistanischen, muslimischen Familie, hat aber seinen Nachnamen aus Karrieregründen geändert. Vom Islam distanziert er sich, während seine Frau Emily, eine Malerin, sich sehr für islamische Kultur interessiert. In der Beschleunigungsphase des Stücks kommt ein jüdischer Galerist ins Spiel, und dann nehmen die Dinge schonungslos ihren Lauf – am Ende steht Amir ohne Job und Frau da, brutal zurückgeworfen auf sich selbst.

Sagen wir es so: Die vehemente Auseinandersetzung mit dem Islam verleiht dem Stück vor dem realen Hintergrund anno 2017 eine Wucht und phasenweise eine Wirkung, die kaum der handwerklichen Struktur oder dem textlichen Fundament geschuldet sind. Autor Akhtar hat „Geächtet“, was die Figuren und in Teilen auch die Story betrifft, tendenziell holzschnittartig angelegt. Wenn es im Theater so etwas wie einen Klischeealarmknopf gäbe – man müsste ihn an diesem Abend mehr als einmal drücken.

So weit, so mittelmäßig bedeutsam. Aber es gibt im kleinen Theater ja noch: den Regisseur, die Schauspieler und das Bühnenbild. Letzteres (von Helmut Stürmer) muss man einfach gesehen haben – punktum. Die Akteure: Stefan Lehnen in der Hauptrolle schlicht großartig (Getrampel vom Premierenpublikum), Louisa Stroux (Emily) sowieso in ihrer eigenen Schauspielliga, dazu Andreas Sigrist, Maja Elsenhans und Sven Hussock als ziemlich luxuriöse Besetzung der Nebenrollen.

Bleibt der Regisseur. Sven Grunert. Er gibt dem Stück eine Tiefe, die es vielleicht gar nicht hat. Er verdichtet die Dinge auf seine längst unvergleichliche Weise, und natürlich kommt ihm dabei die Intimität des kleinen Hauses fundamental zugute. Er definiert die entscheidenden Momente dieses Abends mit klinischer Präzision und kreativer Perfektion.

Man muss Grunert nicht a priori dafür loben , dieses Stück nach Landshut geholt zu haben. Aber man muss ihn dafür feiern, wie er es auf die Bühne gestellt hat. Die Inszenierung am kleinen Theater ist größer als das arg gehypte Stück. Viel größer.

Michael Stolzenberg, Guten Morgen Landshut, 25. Februar 2017

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Immer wieder die alten Verhaltensmuster
Ayad Akhtars Stück „Geächtet“ im Kleinen Theater

Sie malt. Er zieht sich aus, ein weißes Hemd an, sitzt Modell für seine Frau unter Velázquez „Porträt de Juan de Pareja“, ein von ihm frei gelassener Sklave in vornehmer Kleidung. Die Situation knistert voller Erotik in einer Szenerie zwischen stylish strenger Reduktion serieller Lampen und Bilder und einer dekorativen Atelierunordnung (Bühne Helmut Stürmer, Kostüme/Luci Hofmiller). Amir sitzt stolz Modell wie Juan de Pareja, am Schluss blickt er völlig zerstört auf Pareja. Nein, er hat nicht die Integration geschafft. Er ist „Geächtet“, verlassen von Freunden und Frau völlig allein.

Das Kleine Theater ist ausverkauft, das Publikum begeistert. Doch Ayad Akhtars Debütstück, 2013 mit dem Pulitzerpreis, ausgezeichnet, von „Theater heute“ als bestes „ausländisches Stück 2016“ kreiert, hat es in sich. Konversationsstück für zwei Paare, erinnert „Geächtet“ an die Konstellation von Yasmina Rezas Stücke. Paare diskutieren pointiert auf intellektuellen Niveaus brisante Themen, produzieren sich selbst bis zum körperlichen Schlagabtausch. Alles sehr intelligent, humorvoll aufgelockert, das funktioniert aber nur bei exzellenten Schauspielern und kann durch die Verortung in der Upper Class schnell elitär und belanglos abgehoben wirken.

Ayad Akhtars „Geächtet“ muss man vor dem Hintergrund des 11. Septembers sehen. Im Schatten dieses Ereignisses wurden zum einen auch bestens integrierte Menschen in gehobenen Positionen überwacht, zum anderen ermöglicht gerade die exaltierte Polarität zwischen juristischer Beschlagenheit und künstlerischer Feinsinnigkeit scharfsinnige Dialoge mit entsprechendem Hintergrundwissen. Amir Kapoor, der Sohn pakistanischer Einwanderer genießt als Erfolgsjurist einer renommierten jüdischen Kanzlei in New York seinen Erfolg. Seinen muslimischen Namen hat er bewusst zur Verschleierung seiner Herkunft ins Indische verändert, dem Glauben abgeschworen. Gleichzeitig entdeckt seine Frau Emily, eine Malerin auf dem Karrieresprung, die Schönheit der islamischen Kunst. Er lässt sich von ihr breitschlagen, einem verdächtigen Imam juristisch kurz beizustehen – der entscheidende Fehler, wie sich später herausstellt.

Im Gegenpaar, Isaac, einem jüdischen Kurator, und seiner afroamerikanischen Frau Jory, Amirs Arbeitskollegin, spiegeln sich die Denkansätze seitenverkehrt, woraus sich dramaturgisch interessante Spannungen entwickeln. Als Amir bei einem smarten Abendessen mit Smalltalk über Religionen von der Wochenendaffäre seiner Frau mit Isaac erfährt und dann noch von der Beförderung Jorys, rastet er aus und schlägt Emily brutal zusammen. Warum rastet er aus? Kann sich der Mensch doch nie ändern? Sind bestimmte Verhaltensmuster so verinnerlicht, dass sie immer wieder durchbrechen? Schnell kann das Stück, das auf die Problematik der Integration zielt, zur Bestätigung von Vorurteilen werden.

Sven Grunert interessieren weniger die ethischen als die mitmenschlichen Beziehungen, doch gerade der multikulturelle Hintergrund und die damit verbundenen gesellschaftlichen Prozesse bestimmen die menschlichen Beziehungen.

Dass Sven Grunert durch wohldosierte Lichtstimmungen, subtile Musik das Stück aus zunächst erotisch verortet, ist ein authentischer Einstieg. Doch in Folge bringt die schauspielerische Konstellation die Inszenierung nicht auf den Punkt, weicht smart aus, wo der Konflikt zu brodeln beginnt.

Viel zu gefällig spielen Stefan Lehnen und insbesondere Louisa Stroux Amir und Emily. Sie setzen auf sexuelle Ausstrahlung, turteln. Die entscheidende Szene, in der Amir in der Zeitung wegen seines kurzen Engagements für einen Imam attackiert wird, bleibt belanglose Vorlesesituation, dabei ist sie die entscheidende Wende. So gelassen, im Sessel kommentierend kann Amir das mit seinem multikulturellen Hintergrund und seiner bisherigen der Identitätsverschleierung nicht hinnehmen.

Louisa Stroux nimmt man die Rolle einer Künstlerin mit Karriereavancen überhaupt nicht ab. Viel zu sehr macht sie auf Schnurrekätzchen, naives Verführungsmädchen, viel zu aufgesetzt wirkt ihre Artikulation, die in heller Stimmlage zum Schrillen neigt und der es in der Tiefe an klarer Artikulation fehlt. Wesentlich prägnanter und überzeugender gespielt, gelingt der Part des zweiten Paares. Maja Elsenhans lässt die Generosität einer erfolgreichen afroamerikanischen Frau aufleuchten. Ihre Weiblichkeit gepaart mit der Selbstironie des Textes macht sie überaus authentisch. Facettenreich verkorkst spielt Andreas Sigrist den ältlichen jüdischen Kurator, der Emily in jugendlichem Verliebtsein eines zweiten Frühlings bestürmt, von Amir bespuckt die Brille putzt, statt zu explodieren, die Contenance bewahrt und damit die Spannung für die Schlusssequenz aufbaut, deren Brutalität berührt: Emily zusammengeschlagen zwischen den Beinen Amirs. Sie kriecht hinweg und er fällt in sich zusammen und starrt auf Velasquez’ Porträt. Jetzt ist Amir wieder Sklave des Korans.

Die alten Verhaltensweisen haben ihn eingeholt. „Wenn die Frau nicht hört, dann spreche mit ihr, wenn sie immer noch nicht hört, dann schlafe mit ihr, wenn sie immer noch nicht hört, dann schlage sie.“ Amir ist „Geächtet“ nicht durch Vorurteile, sondern durch das eigene Verhalten, das Zündstoff für vorhandene Klischees liefert. Ein Teufelskreis.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 1. März 2017

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Das Stück der Stunde?
Nun auch in LA: Sven Grunert inszeniert "Geächtet" im kleinen theater

Ayad Akhtars „Geächtet“ übt auf Intendanten und Dramaturgen eine schier magische Anziehungskraft aus. Sie können die Spielpläne der namhaften deutschsprachigen Theater von Hamburg, Berlin über Dortmund, Köln, München bis Wien und Zürich googeln wie Sie wollen, Sie werden das Werk so gut wie immer finden. Der „Spiegel“ bezeichnete „Geächtet“ mit der ihm ureigenen Zurückhaltung gar als „Stück der Stunde“. Keine Frage, „Geächtet“ behandelt viele unserer momentanen gesellschaftlichen Kernthemen: religiöse Identität, Prägung, Vorurteile, Rassismus, Integration und insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Islam. Doch das im Fahrwasser exzessiver Theater-Verbalschlachten wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ oder „Der Gott des Gemetzels“ konstruierte Stück bleibt in der Qualität des Textbuches weit hinter den beiden monumentalen Vorbildern zurück.

Viel zu viele Klischees in den Dialogen Leider triefen die Dialoge in „Geächtet“ nur so vor Klischees. Vielen Stereotypen, die man von Muslimen, Juden und weißen Amerikanern kennt, kann man im Verlauf der Handlung zur Genüge begegnen. In der Charakterisierung der Figuren gibt es für den Autor anscheinend nur Schubladen. Darüber hinaus sind die vier Hauptprotagonisten durch die Bank superschlau und elitär, geben sich supersexy, tragen teure Klamotten, haben tolle Jobs, treffen sich in einem chicen Loft in der Upper East Side of Manhattan, essen spezielle Gourmet- Gerichte und führen intellektuell- gedrechselte Dialoge.

Kurzum, Akhtars Figuren sind eher Kunstprodukte denn normale Menschen. Wie bei so mancher Oscar- Verleihung ist es auch hier kaum zu glauben, dass „Geächtet“ 2013 den legendären amerikanischen Pulitzerpreis zugesprochen bekam und in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum „ausländischen Stück des Jahres 2016“ gewählt wurde. Für die klugen Kollegen aus dem SZ-, FAZoder Spiegel-Feuilleton mag „Geächtet“ ja eine Offenbarung sein, das sei ihnen unbenommen, für mich ist das Stück schlicht und ergreifend total überbewertet und künstlich gepusht.

Kleines Theater-Intendant Sven Grunert konnte – durchaus nachvollziehbar – der Versuchung nicht widerstehen, auch zum erlauchten Kreis der Theater zu gehören, die „Geächtet“ auf dem Spielplan haben. Und er warf als Regisseur – unterstützt von einem wirklich superbem Schauspieler-Ensemble – wahrlich alles von dem in die Waagschale, was das Kleine Theater Landshut so besonders macht. Grunert und sein Ensemble liefern die Zwischentöne, Farben und Schattierungen, die für ein zwischenmenschliches Drama elementar sind und die das Textbuch leider nur holzschnittartig liefert. Bemerkenswert ist auch der überaus gekonnte Einsatz von Musik und Licht.

Stefan Lehnen mit überwältigender Leistung Zu den Protagonisten: Was Stefan Lehnen als Amir zeigt, kann man nur mit einem Wort bewerten: grandios. Er gräbt sich mit solcher Hingabe und Aufopferung in den Charakter, dass er die Blicke des Zuschauers permanent auf sich zieht. Eine überwältigende Leistung. Louisa Stroux ist als Emily ein perfekter Widerpart für Lehnen, auch sie liefert ein schauspielerisches Glanzlicht. Andreas Sigrist und Maja Elsenhans geben ihren Katalysatoren-Rollen optimales Gewicht. Komplettiert wird das Ensemble von Sven Hussock.

Fazit: Dank Sven Grunerts packender Regie und Dank seines wunderbaren Ensembles – insbesondere dem famosen Stefan Lehnen – ist „Geächtet“ im Kleinen Theater ohne Frage ein sehr intensiver Theaterabend geworden. Es mag zur vielzitierten Political Correctness gehören, dieses Stück in unserer aktuellen, von den Themen Migration und Integration dominierten Situation richtig, wichtig und hip zu finden.

So weit, so gut. Doch Stereotypen und Klischees sind letztendlich dann doch zu wenig, um die komplexe Psyche von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu durchleuchten, geschweige denn um etwas exemplarisch aufzuzeigen. Daran können auch alle noch so gewichtigen Auszeichnungen oder enthusiastischen Titulierungen nichts ändern.

Thomas Ecker, Wochenblatt, 1. März 2017

Fotos: c) Gianmarco Bresadola

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