im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2018 / 2019

Pressestimmen zu "GLÜCK"

Ein Zufall mit Folgen
Matthias Eberths Inszenierung von Éric Assous´ „Glück“ im Kleinen Theater Landshut

Mit dem Wodka kommt die Wende: Alexandre gibt sich geschlagen. Bis dahin versucht er auf männlich-tapsige und sehr durchschaubare Weise, nach dem One-Night-Stand ohne das servierte Frühstück aus Louises Wohnung zu verschwinden. Findet Ausreden, macht Versprechungen – kommt aber keinen Schritt weiter, auch wörtlich: Louise hat die Wohnungstür abgeschlossen.

Der Franzose Éric Assous erzählt mit seinem Stück „Glück“ die Geschichte dieses Zufalls-Paares, das es miteinander versucht, auch wenn die Kinderbuchautorin und der Restaurantbetreiber sicher nicht füreinander geschaffen sind.

Irgendwann also trinkt Alexandre genervt den Kaffee und isst knurrend etwas Toast, wünscht noch einen Wodka und ergibt sich dem Unausweichlichen – und öffnet sein Herz. Wenigstens so halb. Mit der ganzen Wahrheit rückt er immer erst raus, wenn es nicht mehr anders geht. Weshalb sich bis zum Schluss immer wieder neue Abgründe auftun.

Eineinhalb Stunden sehen wir Alexandre und Louise dabei zu, wie sie aufeinander zulaufen und voneinander abprallen, sich immer wieder aufraffen. Erst will er nichts weiter von ihr, dann will er plötzlich bei ihr einziehen. Sie will ihn schon, aber bloß nicht jeden Tag. Während er sie nimmt, wie sie ist, wünscht sie sich von ihm, er möge doch mal irgendein Interesse zeigen, mal ein Buch lesen – das sie dann, ein netter Einfall der Bühnenbildnerin Irina Kollek, aus einem gemalten Bücherregal zieht. Sonst besteht die Bühne vor allem aus einer riesigen, auf die Seite gelegten Kabeltrommel als Wohnzimmertisch, zwei Stühlen und diversen Vorhängen, hinter denen sich andere Räume von Louises Wohnung verbergen.

Es ist ein Kammerspiel-Abend, der nie ganz lustig und nie ganz traurig wird. Klar: Man hofft, keine Frau lässt sich gefallen, was Louise sich von Alexandre gefallen lässt. Er betrügt sie fröhlich weiterhin mit seiner Ex-Frau. Irgendwann, denkt man, muss sie ihn doch mal davonjagen. Aber sie gibt ihm, ob aus Verzweiflung oder völliger Selbstaufgabe, immer wieder eine Chance. Und man hofft, kein Mann lässt sich auf eine Beziehung ein, nur weil die Frau den Zufall und das Man-muss-nur-Wollen feiert.

So gesehen, ist das ganze Stück eigentlich völlig unrealistisch. Vergnüglich ist es aber halt auch, Petra Einhoff dabei zuzusehen, wie sie diese Louise durchtrieben, mädchenhaft keck und mit blitzenden Augen spielt. Wie sie darauf beharrt, dem Glück eine Chance zu geben. Und wie Eckhard Preuß sich als Alexandre zunächst aus der Situation herauszuwinden versucht, sich immer wieder ins Ironische flüchtet – und sich dann in einer hinreißenden Szene als Verleger ausgibt und sich doch sehr für Louise ins Zeug legt. Als Running Gag klingelt immer wieder Alexandres Handy, wenn Leute in seinem Lokal einen Tisch reservieren wollen. Und Louise tanzt zur Klingelton-Melodie. Mal fröhlich, mal sarkastisch.

Landshuter Zeitung, 14. Januar 2019

-----

Dem Glück auf der Spur
Das Kleine Theater präsentiert das Erfolgsstück „Glück“ von Éric Assous

Ein roter Apfel auf dem Tisch leuchtet verführerisch und schon ist man mitten im Geschehen. Ungeniert, ziemlich angeheitert verführen sich Louise und Alexandre, die sich an diesem Abend irgendwo kennenlernten. Voller Lust landen sie im Bett hinter dem roten Segel, das mit grünen, gelben über die Bühne gespannten Segeln die Fragilität des anvisierten Liebesglücks symbolisieren (Bühne Irina Kollek). Kaum erwacht, zerbröckelt die nächtliche Leidenschaft. Als er sich verduften will, sperrt sie ihn einfach ein. Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander auf der Suche nach Glück.

Éric Assous Komödie „Glück“ umkreist das heikle Thema aus männlicher und weiblicher Perspektive, ohne es direkt zu benennen. Sie ist Kinderbuchautorin. Nach einer gescheiterten Ehe mit Beziehungsproblemen sucht sie eine neue Liebe. Er, ein erfolgreicher Gastronom gerade in der Trennung von seiner Frau und den drei Kindern, begnügt sich mit One-Night-Stands.

Regisseur Matthias Eberth macht daraus nicht die übliche temporeiche Boulevardkomödie mit ständigen Lacheffekten. Seine Inszenierung im Kleinen Theater wirkt mehr wie ein psychologisches Kammerspiel. Er leuchtet hinab in die Problematik dieser Figuren und deren Verletzungen. Der witzige Schlagabtausch provoziert weniger lauthalse Lacher als räsonierende Erkenntnis.

Mit Eckhard Preuß und Petra Einhoff bestens besetzt, prallt seine gravitätische Körpersprache auf ihr quirliges Temperament, sein treuherziger Blick auf ihre angriffslustigen Augen, sein Pragmatismus auf ihre poetischen Restillusionen.

Wie sollen dieser Biederling und diese ausgeflippte Tussi miteinander können? Wie bei einem Kampf verschieben sich ständig die Kräfteverhältnisse. Zuerst sperrt sie ihn ein, dann wirft sie ihn fast hinaus, als er mit den Koffern ankommt. Sieben Nächte gemeinsam verbringen? Das ist ihr entschieden zu viel. Das Glück ist keineswegs in Sicht. Unbequem ist der Mondrian-Stuhl in Louises Wohnung, auf dem Alexandre herumrutscht. Zu krass sind die Lebenswirklichkeiten hinter den Lügen. Und trotzdem ist das Glück plötzlich gerade dann in den skurrilen Szenen spürbar, wenn der eine dem anderen hilft. Sie rettet ihn beim riskanten Fluchtversuch aus dem Fenster. Er spielt kurz einen konkurrierenden Verleger und bewahrt sie vor der Arbeitslosigkeit.

In einzelnen Sätzen wird gegenseitige Annäherung spürbar, hörbar in der Musikauswahl von poetischer Kinderglockenspielmusik über jazzige Harmonien bis zum innigen Klezmertango. Doch selbst nach der Hochzeit in lässig flott designten Klamotten (Kostüme Irina Kollek), optische Harmonie pur, wackelt die Beziehung angesichts der Neuigkeiten aus seiner alten Ehe.

Aber Louises Botschaft, „warum sollen wir unsere Illusionen nicht mehr realisieren“, macht alles möglich, selbst die Hochzeitsreise nach Mauritius, auch wenn sein Handy schon wieder ganz dringlich andere Realitäten in den den Vordergrund rückt.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 23. Januar 2019
und www.schabel-kultur-blog.de, 24. Januar 2019

Foto: Hilda Lobinger

« Zurück | Alle Nachrichten »