im Spiegel der Presse

Gastspiel der Spielzeit 2016 / 2017

Pressestimmen zu "Hin und weg"

„I bin wia i bin – und des is net schlimm“

„Hin und Weg“ entpuppt sich als vergnüglicher bayerischer Liederabend im Kleinen Theater

Rebecca Seibold und Maja Kemm, junge Talente der Münchner Theaterakademie, begeistern im Kleinen Theater beim bayerischen Lieberabend „Hin und weg“.

„Wo samma? Wer samma? Wie samma?“ Ausgesprochen unterhaltsam und vergnüglich hinterfragen Maja Amme und Ricarda Seifried auf ihrer musikalischen Reise durch Bayern, was dieses Bayern eben ausmacht. Unterm weißblauen Regenschirm spazieren sie in beigen Allerweltstrenchcoats die Treppe hinunter mitten durch das Foyer auf die Bühne und erzählen Lied um Lied vom Ankommen, Weggehen und Dableiben in der bayerischen Mentalität. Die Bühne ganz in Weiß gehüllt, offenbart sich Handgriff für Handgriff Altbayern zwischen Kruzifix und Marienbild, Thronsessel und Fensterl zum Hof.

Die beiden jungen Schauspielerinnen von der Theaterakademie Everding in München mit Schwerpunkt Gesang und Musical ergänzen sich bestens und entwickeln eine wunderbare Authentizität bayerischer Lebensart. Alternierend, dann wieder zusammen, entsteht ein Puzzle quer durch bayerische Klischees, von gestern und heute, von jung und alt, liebevoll karikiert. Musikalisch zwischen Biermösl Blosn, Haindling und Konstantin Wecker wird Bayern facettenreich hörbar und erlebbar. Maja Ammes und Ricarda Seifried sind Freundinnen, Konkurrentinnen, fesche Kellnerinnen, schuhplatteln und jodeln, karikieren. Ricarda Seibold plärrt zwischendurch alkoholisiert sehr männlich, Maja Kemm ist selbst als derbes Cowgirl mit der Weißwurst im Mund noch überaus charmant. Friedrich Rauchbauer begleitet dezent am Klavier, geht zuweilen in die Vollen, ohne die Stimmen zu übertönen, vergegenwärtigt nächtliches Geistern perkussiv mit klopfender Faust und spielt auch mal schnell eine kleine Sequenz mit. Unter seiner musikalischen und inszenatorischen Leitung kommen die beiden Schauspielerinnen bestens zur Wirkung.

Das von Rauchbauer anvisierte Spiel über eine Erlösung à la Becketts „Warten auf Godot“ kommt allerdings nicht zur Wirkung. Die anfänglich meditative Choralmusik, Konstatin Weckers Lied „Morgen samma dod“ und die Garderobe – verwandelt zu einem bizarren Selbstmord-Haken – bleiben zu fragmentarisch, um sich zu einer existenziellen Ebene zusammenzufügen. Und auch das Heimischwerden des Andersartigen blitzt in der Spielfreude bayerischer Klischees nur gelegentlich auf, – dann, wenn sich das Dominanzverhalten ändert, wenn Maja Kemm, als dunkler Typ, zur Dienerin degradiert und Ricarda Seibold als blonder Prototyp der einstigen Herrenrasse dominiert, regiert und lästig fragt „Wos so i doa mit dir?“. Mit der Fremden, mit der Heimat? Eine bayerische Serviette statt eines Schals blitzt bei beiden aus dem Mantelrevers. So entlässt der harmlose Liederabend mit dem Gefühl, dass noch viel mehr Potenzial darin steckt, als zu sehen war. Dessen ungeachtet wird dieser angekündigte „bayerischer Liederabend“ zumindest in Bayern ein begeistertes Publikum finden, weil „I bin wia i bin – und des is net schlimm“ der bayerischen Mentalität entspricht.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 17. Mai 2017

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