im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2018 / 2019

Pressestimmen zu "ME - NOT YET"

Wer bin ich ?
„Me – not yet“ am Kleinen Theater Landshut

Von Identitätskrisen und Absurditäten handelt „Me – not yet“, das derzeit im Foyer des Kleinen Theaters gespielt wird. Regisseur und musikalischer Leiter des Stücks ist Friedrich Rauchbauer, Musiker und Professor für Schauspielgesang an der Münchner Theaterakademie August Everding, der seine Studentin Lavinia Thelen Nowak bei ihrer One-Woman-Show am Klavier begleitet. Das Stück kommt daher als szenisch-musikalische Collage, ein Potpourri aus Pop-Songs, Chansons und Volksliedern.

Texte des russischen Autors Daniil Charms wechseln sich ab mit Liedern von Boris Vian, Meghan Trainor, Hildegard Knef, Peter Fox, Tic Tac Toe, Friedrich Rauchbauer und anderen. Literarisch anspruchsvolle Texte werden mit zum Teil derben Lyrics verquickt. Der Wechsel von ernsten, heiteren und trashigen Musikstücken erfordert auch einen ständigen Wechsel zwischen verschiedenen Rollen und Stimmungen, den Nowak ohne Probleme meistert.

Auch Charms verknüpft in seinen Erzählungen schonungslos Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen. Die Absurdität in seinen Textpassagen spiegelt sich in den Handlungen auf der Bühne wider. Da werden Zwiebeln in eine Wanduhr gelegt. Da werden Haarspitzen in ein Wasserglas getunkt, anstatt daraus zu trinken. Da setzt sich die Heldin ans Klavier, bis ihr einfällt: Sie kann gar nicht spielen. Dinge werden nicht als das verwendet, was sie sind. Das Stück spielt mit Erwartungen, die nicht erfüllt werden.

In ihrer Rolle macht Lavinia Thelen Nowak auf der Bühne eine Entwicklung durch. Schreitet sie anfangs im weißen Brautkleid die Treppe hinab und singt über eine Prinzessin, legt sie ihr Kleid bald ab und singt von sich als 16-jähriges Mädchen, das jemand anderes sein will. Sie legt ihren kindlichen Idealismus ab und wird mit der harten Realität von Selbstzweifeln und Nicht-genug-Sein konfrontiert. In der zweiten Hälfte zieht sich die Schauspielerin einen Fettanzug über und singt von Selbstliebe. Doch das währt nicht lange, die Selbstzweifel kehren zurück. Nachdem sie ihre zerstörerische Beziehung zum Alkohol im Lied „Spirituosenschlamassel“ besungen hat, kleidet sich Nowak am Ende in Hose, Weste und Hut und schlüpft in die Rolle eines Mannes. Die ganze Zeit geht es um Schein und Sein, um Ideale und Wirklichkeiten.

Lavinia Thelen Nowak zeigt solo auf der Bühne absolute Präsenz und ersetzt mit ihrem Facettenreichtum fast ein ganzes Ensemble. „Me – not yet“ ist ein innovativ-experimentelles Stück, dass man eher auf den Kreativ-Bühnen Berlins verorten würde. Die Nähe zum Publikum stellt eine intime, intensive Atmosphäre her. Ein Stück, das das Programm des Kleinen Theaters bereichert, das aber nicht leicht zugänglich ist. Es braucht seine Zeit, um nachzuwirken. Aber auch, wenn man keinen Zugang dazu findet, hat das kurzweilige Stück einen hohen Unterhaltungswert.

Kerstin Petri, Landshuter Zeitung, 19. Februar 2019

Foto: Friedrich Rauchbauer

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