im Spiegel der Presse

Gastspiel der Spielzeit 2019 / 2020

Pressestimmen zu "MUST BE LOVE"

Das muss Liebe sein
Die Comedy-Show „Must Be Love“: Eine fulminante Gastspielpremiere im Kleinen Theater in Landshut

Laurel und Hardy. Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Jack Lemmon und Walter Matthau. Die Film- und Theatergeschichte kennt viele ungleiche Paare, aus deren Gegensätzlichkeit eine ungeheure Komik entsteht. Auch das Kleine Theater in Landshut hat seit der Premiere von „Must Be Love“ am Freitag ein Komiker-Duo im Programm, wenn auch nur gastweise: den Münchner Schauspieler und Komiker Arnd Schimkat alias Arthur Senkrecht und seinen kongenialen Mitspieler Sven Hussock, dem Landshuter Publikum bekannt in seiner Hauptrolle als Maik Klingenberg in dem Erfolgsstück „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Die beiden spielen Halbbrüder. Der eine im türkisfarbenen Anzug, schlaksig, zerstreut, tollpatschig. Der andere im karierten Anzug, ernst, fokussiert, griesgrämig. Streit ist programmiert, weshalb sich die beiden in Paartherapie befinden. Ihre Gefechte tragen sie auf der Bühne aus, für das Publikum ist es ein Hochgenuss. Finstere Blicke bis hin zu Wutausbrüchen.

Es wird gesungen und getanzt, gestritten und sich wieder versöhnt. Immer wieder schaukeln sich die Konflikte hoch. Im nächsten Moment fallen sich beide in die Arme, weil sie ohne einander nicht können. Das muss Liebe sein. Auf der Bühne stehen ein Klavier und ein Aquarium auf Rädern. Immer wieder werden neue Dinge hervorgezaubert. Da wird beispielsweise eine Karotte mithilfe eines Akkubohrers zu einer Flöte umfunktioniert. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wird das Maximum herausgeholt. Unbegrenzt ist hingegen der Erfindungsgeist und die Fantasie, die auf der Bühne imaginäre Orte erschaffen. So steigt Hussock etwa in sein Klavier und taucht ab in eine Unterwasserwelt, um den Fisch seines Halbbruders zu retten.

Regie führte David Shiner, der Starclown aus New York, der so ziemlich alle Auszeichnungen gewonnen hat, die ein Clown und Comedian gewinnen kann. Slapstick, Pantomime, Improvisation – es wird nichts ausgelassen, was das Clownstheater ausmacht. Was auf der Bühne locker und leicht daherkommt, ist in Wahrheit präzise durchchoreografiert. Damit Improvisation gelingt, braucht es dramaturgische Vorgaben, die den Künstlern ausreichend Möglichkeiten bieten, um auf jede Situation reagieren zu können. Und das beherrschen die Bühnenakteure ebenso wie die Techniker hinter der Bühne. Licht und Ton sind perfekt auf das Schauspiel abgestimmt und bilden zusammen eine Symbiose. „Must Be Love“ bringt das meist belächelte Clownstheater mit hohem Unterhaltungswert auf die Theaterbühne. Herrlich schräge, absurd-witzige Situationskomik, dabei aber nie einfältig. Denn es schwingt immer auch eine emotionale Tiefe mit. Senkrecht und Hussock zeigen sich so nahbar, dass das Publikum gar nicht anders kann, als das ungleiche Paar ins Herz zu schließen. Auch das muss Liebe sein.

Kerstin Petri, Landshuter Zeitung, 20. Oktober 2019

Foto: Katrin Rehbein

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