im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2011 / 2012

Pressestimmen zu "OFFENE ZWEIERBEZIEHUNG"


"Regisseur Daniel Kersten spielt schön mit der Mechanik der dramatisch scheiternden Beziehung - und er hat mit Maja Elsenhans und Christian Mark zwei Darsteller, welche diesen Zwist gekonnt, manchmal subtil und manchmal zupackend schildern."

Landshuter Zeitung,  10.1.2012

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Immer noch recht treffend
„Offene Zweierbeziehung“:amüsante Inszenierung im „kleinen Theater“

Er will die offene Zweierbeziehung, Sex frei Haus neben der Ehefrau und die Ehefrau als Freundin mit mütterlicher Geborgenheitsfunktion so nebenbei. Sie leidet, droht mit Selbstmord, zieht aus und erfindet sich selbst neu samt Liebhaber. Er mit einem Konkurrenten konfrontiert, dreht durch, will sie umbringen, vergewaltigt sie beinahe und droht nun seinerseits mit Selbstmord. Dieselben Muster, dieselben Einsichten: offene Beziehungen funktionieren nicht, einer ist immer der Geschädigte.

1985 machten Dario Fo und seine Frau Franca Rame mit dem Stück „Offene Zweierbeziehung“ Furore. Dario Fo wollte aufrütteln, Skandale provozieren, heiße Themen auf die Bühne bringen. Inzwischen wird das Stück nur noch selten aufgeführt. Eigentlich schade. „Offene Zweierbeziehung“ bringt zwar heute keine neuen Einsichten, aber das Stück hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Im Zeitalter zunehmender Beziehungskrisen und hochschnellender Scheidungszahlen ist eheliche Treue tatsächlich schon ein „alter Hut“ und die offene Zweierbeziehungwie meistens nur nach einer Seite hin offen. Er darf, nimmt sich alle Rechte und läuft Amok, wenn sie das gleiche tut.

Im „kleinen Theater“ Landshut wird unter der Regie von Daniel Kerstin aus dem etwas oberlehrerhaften Disput um die „Offene Zweierbeziehung“ ein kurzweilig amüsanter Theaterabend, eine gekonnte Mischung aus kommentierender Erzählung und Slapstickkomödie, Commedia dell’arte und Pantomime. Weiß geschminkt bringen Maja Elsenhans und Christian Mark Sie und Ihn auf den Typ, dennoch wirken beide durch ihren individuellen Charme so authentisch, dass trotz aller Ausgestelltheit des Spiels immer wieder Leben live aufblitzt: die hysterischen Selbstmordankündigungen, die endlosen Beleidigungen, der Rosenkranz-Hick-Hack.

So weit weg ist das Theater auf der Bühne vom Alltag nicht. Trotz aufgemalter Türen und hochgehaltenem Fenster in der kleinen schwarzen Guckkastenbühne ganz im Stil improvisierten Spiels und französischer Pantomime wirkt die Inszenierung durch die Besetzung sehr deutsch. Mit Hosenträgern und kleinem Gemütlichkeitsbäuchlein signalisiert Christian Mark selbst mit Sonnenbrille mehr den deutschen Oberspießer als einen smarten Playboy. Sie, alias Maja Elsenhans, ist rhetorisch überlegen, unterliegt dennoch gefühlsmäßig, leidet laut und wortreich, kommentiert ohne Ende, gängelt ihn durch Selbstmordversuche, spielt die Vernünftige, analysiert als Zynikerin, macht nach Modetorheiten im kleinen Schwarzen eine gute Figur, zieht schließlich entnervt aus und werkelt sich hoch, ein Feuerwerk von Frau, die Sympathie auf sich zieht, und Mann in seiner Eifersucht uralt aussehen lässt.

Der Liebhaber der Frau, nur eine Idee, den Mann zurückzugewinnen, bringt – Gott sei Dank – nicht das mögliche Komödien-Happyend. Zu stark sind die zugefügten Blessuren – die „Offene Zweierbeziehung“ hinterlässt nur Opfer.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 11.1.2012

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Tatort Beziehungskiste gewinnt gegen Tatort Glotze
Kurz und kurzweilig: Dario Fos „Offene Zweierbeziehung“ im kleinen Theater.

Sonntagabend. „Tatort“-Zeit. Ausgerechnet jetzt eine Premiere im kleinen Theater. Und dann auch noch: Beziehungskiste. Als wüssten wir nicht längst alles über die Liebe. Ihre Verlockungen, wenn die Schmetterlinge im Bauch flattern. Und ihre Abgründe, wenn sie den Bach runtergeht. Wissen wir? Dario Fo, Literatur-Nobelpreisträger sagt: nein! Hinein in eines seiner vielen Erfolgsstücke mit eindeutigem Titel: „Offene Zweierbeziehung“.

 Auf den ersten Blick eine allzu vorhersehbare Konstellation. Ein Paar in einer tiefen Beziehungskrise. Er ein notorischer Schwerenöter. Sie eine gehörnte Gattin im Ausnahmezustand. Kein Wunder, dass alles mit einem Selbstmordversuch von ihr beginnt: Sie will aus dem Fenster springen und sich dabei noch eine Kugel in den Kopf jagen. Doppelt hält besser. Geht natürlich schief. Ihr Gatte rettet sie, beschwört sie: „Es ist ja alles nur sexuell.“ Und: „Das sind nur Bettgeschichten. Aber dich liebe ich. Dich respektiere ich.“ Bla, bla, bla. Wir wären nicht im kleinen Theater – diesmal im Foyer – würde sich aus diesem Drama nicht eine urkomische Komödie entspinnen.

Maja Elsenhans und Christian Mark  lassen es als verkrachtes Paar so richtig krachen auf der Bühne, werfen sich die Fo-Pointen zu wie bitterböse Blitze. Was tun, wenn der todsichere Selbstmord nicht klappt? Den Spieß umdrehen. Also legt sie sich jetzt einen Lover zu: jünger, attraktiver, gebildeter als ihr Schwerenöter. Atommanager mit Rockstar-Allüren. Pures Gift für den letzten Funken Mannesstolz. Und schon geht die ganze Geschichte andersherum: Aus dem eingebildeten Gockel wird ein winselndes Häuflein Elend. Statt Hörnern wird ihm ein Gurkenfass aufgesetzt. Und natürlich hat auch er bald die Knarre in der Hand. Nein, neu ist an dieser Versuchsanordnung einer vermeintlich offenen Zweierbeziehung nichts. Überhaupt nichts.

Klischees über Klischees.

Und doch erlebt das Premierenpublikum einen kurzweiligen Abend. Was zum einen der Treffsicherheit von Dario Fo geschuldet ist, der dieses Kleinod Anfang der 80er Jahre zusammen mit seiner Gattin Franca Rame verfasst hat. Was aber vor allem ein Verdienst des Gespanns Elsenhans/Mark ist. Und der Regie von Daniel Kersten, der offensichtlich ein feines Händchen für dieses polternde Stück Boulevardtheater entwickelt hat.

Es ist einfach herrlich anzuschauen, dieses Paar am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und das Kopfkino spielt uns dazu Szenen aus dem eigenen Leben, dem eigenen Lieben (oft – natürlich!) und Scheitern (selten – natürlich!!!) vor.

Ach ja, und beinahe hätte es auch noch für den „Tatort“ gereicht. Denn Premiere war um 19 Uhr, und das Stück gerade einmal eine gute Stunde lang. Kurz und kurzweilig. Gut so! Schenk und Ballauf habe ich mir dann gerne geschenkt.

Christian Blümel, Wochenblatt, 11.1.2012

undefinedzur Inszenierung

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