im Spiegel der Presse

Inszenierung der Spielzeit 2017 / 2018

Pressestimmen zu "Unsere Frauen"

Was kann gu­te Freun­de tren­nen ?
„Un­se­re Frau­en“ in ei­ner In­sze­nie­rung von Sven Gru­nert am Klei­nen Thea­ter Lands­hut

Wenn ein Freund in Schwierigkeiten ist, hilft man ihm doch wohl. Was aber, wenn dieser Freund gerade seine Frau umgebracht hat ? Wie weit geht die Freundschaft da ? Diese Frage behandelt das Stück „Unsere Frauen“ von Èric Assous, das Sven Grunert am Kleinen Theater Landshut inszeniert hat. Die erste unfreiwillige Schaunummer war der Einzug des Publikums. Es dauerte bei der Premiere am Freitag ungewöhnlich lange, bis jeder seinen Platz gefunden und eingenommen hatte. Auf der Bühne saßen und standen aber schon Knud Fehlauer und Stefan Lehnen. Wer schon Platz genommen hatte, sah also die Schauspieler Lehnen und Fehlauer, die auf das Publikum warteten, und ihre Figuren Paul und Max, die auf ihren Freund Simon warten. Viel länger hätte das Einnehmen der Plätze nicht dauern dürfen. Irgendwann hat man ja auch als Schauspieler alle Zeitüberbrückungsbewegungen durch. „Unsere Frauen“ wird als Krimi-Komödie angekündigt, aber so einfach ist es im Kleinen Theater natürlich nicht.

Was als launige Unterhaltung beginnt, wird zunehmend scharf im Ton. Simon kommt dann doch noch zum Männer-Spieleabend, ist aber stark betrunken und teilt seinen Freunden mit, er habe soeben seine Frau erwürgt. Dann schießt er sich mit Medikamenten weg, die nächste Zeit gehört Max und Paul, die sich Gedanken darüber machen, ob und wie man Simon helfen kann. Soll man ihm zur Flucht verhelfen? Oder reicht es, ihm ein Alibi für die Tatzeit zu verschaffen? Darüber wird man dann schnell allgemein, klopft die Charaktere und Positionen der Freunde ab und zeigt sich selbst von Seiten, die die Freunde vielleicht nicht kannten.

Das urban-kühle Wohnzimmer mit dem Spieltisch, in dem sich die Freunde treffen (Bühne: Helmut Stürmer), wird bald zum Ort hitziger und witziger Gefechte. Regisseur Sven Grunert konnte auf erprobte Darsteller zurückgreifen, die dem Theater seit Jahren verbunden und die im komischen wie im ernsten Fach erprobt sind: Stefan Lehnen als Lebemann mit Positionen Max, Knud Fehlauer als ermüdet Liebenden mit stets schlafender Frau Paul und Rudi Knauss als einer, der die Frauen versteht. Das wird sich aber erst später zeigen. Bis dahin wird das Stück die eine oder andere unterhaltsame Wendung nehmen.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 30. Oktober 2017

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Ganz herrlich von der Rolle
Im Kleinen Theater hatte Éric Assous´ Komödie "Unsere Frauen" Premiere

Es sieht erst nach einem beschaulichen Männerabend aus. Wein gibt es genug, für den Notfall Tabletten, und im Roulettespiel rollt schon die Kugel. Max, Paul und Simon, zwei Ärzte und ein Friseur, sind beste Freunde. Doch dann kommt alles anders: Friseur Simon verspätet sich, ist angetrunken, aufgewühlt, ziemlich von der Rolle. Was er getan hat, ist nicht irgendein Bagatell-Delikt: Simon hat gerade aus Versehen seine Frau umgebracht.

Mit diesem Paukenschlag beginnt die dritte Premiere in der laufenden Spielzeit im Kleinen Theater. Intendant Sven Grunert führt Regie und holt Éric Assous‘ Komödienhit „Unsere Frauen“ auf die Bühne. Und eines vorneweg: 95 Minuten lang tauchen keine weiblichen Wesen auf – Einblendungen an der Wand ausgenommen. Aber es geht permanent über sie. Max, Paul und Simon reden über ihre besseren Hälften, die nicht immer bessere Hälften sind. Streng genommen sind es über weit Phasen des Stücks nur Max und Paul, denn der mutmaßliche Mörder Simon mutiert zeitweise zur (Alkohol-)Leiche und muss seinen Rausch ausschlafen.

„Unsere Frauen“ ist ein Konversationsstück, witzig, scharfpointiert, mit tiefschwarzem Humor in vorwiegend schwarz gehaltener Kulisse. Für die Protagonisten und nicht zuletzt auch für die Besucher ist es eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Freundschaft“. Kann man, ja darf man einem Mörder helfen? Wie weit darf ein Freundschaftsdienst gehen? Darf man dem ziemlich besten Freund sogar ein falsches Alibi geben?

„Unsere Frauen“ ist nur ein bisschen Krimi, vielmehr eine Komödie und eine Spurensuche der besonderen Art. Alte Rechnungen kommen auf den Tisch, Probleme werden auf- und abgewälzt mit unterschiedlichen Vorzeichen. Max wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Paul hat zwar noch eine Frau, auch wenn sie meistens schläft, hat aber von seiner Tochter keine Ahnung.

Stefan Lehnen (Max) und Knud Fehlauer (Paul) sind in dieser verfahrenen Situation ganz herrlich von der Rolle und laufen im Nervenkrieg zur Höchstform auf. Sie schaukeln sich in ihrer Verzweiflung gegenseitig hoch, sie leiden zusammen bei Pauls Rückenschmerzen und seinen Sorgen um die Tochter, sie rappen zusammen. Und sie werfen sich kraftvoll Pointen und Telefonhörer hin und her in der Frage, wer denn nun wegen Simon wann und wie die Polizei anruft. Zum Schluss tauscht Simon wieder auf, statt aufgewühlt nun wieder einigermaßen klar im Kopf. Rudi Knauss verkörpert ihn als armen Tropf, den man den Mord gar nicht so recht zutrauen will. Als dann die Polizei anruft, geht der Telefonhörer an den mutmaßlichen Mörder weiter – und es kommt in der Tat alles ganz anders, als man denkt. Übrigens bei allen drei Protagonisten.

Ein überraschungsgeladenes Stück bis zum Ende. Ganz und gar nicht überraschend war die Reaktion des Publikums. Es spendete den drei Schauspielern, Sven Grunert und dem ganzen Team vor und hinter den Kulissen zurecht lang  anhaltenden Applaus. Die Jubiläums-Saison geht gelungen weiter.

Ulrike Aigner, Wochenblatt, 2. November 2017

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Wie weit geht Freundschaft?
Kleines Theater präsentiert Éric Assous „Unsere Frauen“ als poetisches Boulevardtheater

Drei Männer lästern über ihre Frauen, unerreichbar scheint ihr Ideal – eine atmosphärisch charmant inszenierte Boulevardkomödie.

Ein cooles Ambiente in Schwarz-Grau-Lila-Tönen, Wohlfühlmusik, ein Roulette auf dem Tisch, Pizza zu gutem Rotwein. Paul und Max, beide Ärzte, warten auf den dritten im Bunde, Simon, den Frisör, und plaudern über ihre Frauen, deren Eigenheiten. Keiner ist zufrieden. Paul karikiert seine Frau, die froh ist, wenn er ausgeht, damit sie in Ruhe schlafen kann. Max streitet sich andauernd mit seiner Freundin, und wenn sie nicht da ist, fehlt sie ihm. Das klingt nach Small Talk, Klischees und bleibt es auch, nachdem Simon völlig verwirrt erscheint. Er hat soeben seine Frau umgebracht und will sich über die Freunde ein Alibi verschaffen. Er konnte es einfach nicht mehr aushalten, ständig von seiner Frau betrogen zu werden. Jetzt laufen die Argumentationen heiß. Simon decken oder ihn anzeigen? Die Sachlage wird noch delikater, als Pauls Tochter die Geliebte Simons zu sein scheint, was sie aber nicht ist. Sie sucht nur dessen Rat.

Echte Männerfreundschaft will der französische Autor Éric Asssous auf den Prüfstand bringen und wählt dafür das Format einer pointierten Boulevardkomödie mit überraschender Schlusswende. Die klischeehafte Oberflächlichkeit des Textes in menschliche Beziehungsprozesse aufzulösen, die sich gegenseitig hinterfragen und dabei die eigenen Untiefen offenlegen, ist der Regiekunst Sven Grunerts, der gelungenen Besetzung und dem atmosphärischen Bühnenbild Helmut Stürmers zu verdanken.

Statt schenkelklopfenden Boulevardtheaters schärft Sven Grunert das Stück um das Männertrio mit Poesie im charmanten Stil von ziemlich beste Freunde. Zu dritt, eingehakt, leicht schwankend touren die Drei leitmotivisch quer über die Bühne, als wäre die Welt in Ordnung, wo doch alles im Chaos zerbricht. Jeder für sich ist ein Lebensmodell. Paul erstarrt in Ritualen einer Scheinharmonie. Max handelt klar, schafft immer klare Tatsachen – Simon duldet, bis er schließlich im Affekt seine Frau würgt. Nur die Frauen, ihre Frauen sind langweilig, streitsüchtig, untreu, gerade das Gegenteil zum schlichten, milde lächelnden Frauenantlitz im Hintergrund, Idealbild weiblicher Güte, die das Leben in warme Warmtöne taucht.

Stefan Lehnen (Max) gibt den stoischen Ruhepol ab. Er ist für klare Sachen, argumentiert rational, mit der beruflichen exakten Analytik eines Radiologen. Dazu kontrastiert Knud Fehlauers (Paul) karikierendes Spiel mit subtilem Gespür für die Zwischentöne, einem herrlich inszenierten Bandscheibenleiden, nervös flirrenden Fingern und seiner ganz spezifisch verfremdenden Intonation, die seine vordergründigen Harmonisierungsversuche als Lügen entlarven, körperlich akzentuieren und die verbalen Pointen hintergründig verzerren.

Rudi Knauss (Simon), etwas verschlampt, versoffen, spießig, ein absolutes Antibild eines Starfrisörs, passt so gar nicht in die Szenerie, schon eher sein forderndes, sehr kalkuliert erpresserisches Verhalten. Und doch ist er der Einzige, dem zumindest von Pauls Tochter, einer Medizinstudentin, Vertrauen geschenkt wird. Hier dreht sich die Argumentation, doch drei ziemlich beste Freunde. Freundschaft heißt verzeihen. Und da Simons Frau gar nicht tot ist, sondern Anzeige auf Mord stellt, ist das Schlimmste abgewendet. Das geht wirklich nur in der Boulevardkomödie und ist nicht mehr als ein amüsanter Wohlfühlabend auf Wolke Männerfreundschaft.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 2. November 2017

 

Fotos: Hilda Lobinger

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