2. Landshuter S P E R R - tage - Biennale Niederbayern

 

Von 5. bis 7. April 2019 ist das kleine theater – KAMMERSPIELE Landshut mit Performances, Musik, Lesungen, Think Tanks und der k-Aktion ÜBER/BRÜCKEN erneut zu einem Ort des Dialogs geworden. Biennale Niederbayern: offen, kritisch, horizontal. SPERR-tage jetzt!
Das kritische Volkstheater dient als ideale Spielfläche, um sich mit den Fragen und Debatten zu konfrontieren, die unsere Gesellschaft gerade bewegen. Der Namenspatron des Festivals, der niederbayerische Autor und Schauspieler Martin Sperr, steht dafür wie kein zweiter.

- IMPRESSIONEN: -

 

Fotos: Stefan Klein

1. Reihe : Regierungspräsident Rainer Haselbeck, Bürgermeister Dr. Thomas Keyßner
2. Reihe : Eröffnung im Foyer, Josef Bierbichler
3. Reihe : Shlomit Tulgan mit Armin Langer und Anna Steinbauer mit Julia Weigl
4. Reihe : 2 x Ensemble vor dem kleinen theater
5. Reihe : vor dem Maxwehr, Leiter der Technik Jürgen Behl und Intendant Sven Grunert
6. Reihe : 2 x Ensemble vor dem Maxwehr

zum undefinedausführlichen Programm
zum undefinedInterview von Philipp Seidel mit Festivalleiterin Julia Weigl
zum undefinedAudio-Beitrag von Roland Biswurm in B2 Kulturzeit

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Über / Brücken : Die k-Aktion

Eine Performance im öffentlichen Raum

Auf zu einer neuen k-Aktion! Wir laden Sie herzlich ein zu einem Happening im öffentlichen Isar-Raum! Für Menschlichkeit und Toleranz, für Kultur als Floß, das uns alle trägt, für Konsens im Dissens! Ein Holz, aus dem wir alle sind. Die Säge angesetzt, zerfällt der Stamm in unzählige Scheiben, zersplittert und verliert jeglichen Zusammenhalt. Wir können neue Verbindungen schaffen und überbrücken Gegensätze. Wir setzen Zeichen. Vom Stamm zur Kette zu einer neuen Brücke!

 

Ein kollektives Experiment für eine gemeinsame Zukunft im Hier und Jetzt! Kommen Sie zum kleinen theater – KAMMERSPIELE Landshut, um gemeinsam mit uns zu sägen, zu schnitzen, zu bauen – die Isar vom einen zum anderen Ufer zu  ÜBER/BRÜCKEN!
Auf zu neuen Ufern!

Mit Martina Kreitmeier und Ensemble-Mitgliedern des kleinen theaters – KAMMERSPIELE Landshut

Idee und Konzept: Sven Grunert

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Sperrigkeit genießen
Zweite Landshuter Sperrtage im Kleinen Theater begeistern das Publikum

Wenn Sven Grunert einlädt, dann weiß man, dass im Kleinen etwas Großes entstehen wird“, lobte Regierungspräsident Rainer Haselbeck den Intendanten am Freitag bei der Eröffnung der zweiten Landshuter Sperrtage im Kleinen Theater. Ganz im Sinne des kritischen Volkstheaters war von Freitag bis Sonntag bei der zweiten „Biennale Niederbayern“ wieder einiges geboten. Mit Lesungen, Gesprächen, einer Kunstaktion und vielem mehr feierte man den Begriff des „Überbrückens“ (unter anderem am Sonntag mit der gleichnamigen Kunstaktion). Das von Dramatiker Martin Sperr geprägte kritische Volkstheater befasst sich vor allem mit den Problemen der heutigen Gesellschaft, mit Ausgrenzung und Unverständnis. Mit den Sperrtagen wolle man sich mit diesen Problemen ein Wochenende „kritisch, realistisch und intellektuell“ auseinandersetzen, so Intendant Grunert bei seiner Rede zur Eröffnung.

Lesung mit Josef Bierbichler

Schon im Vorfeld habe er viel Zuspruch sowohl von der Stadt als auch von der Regierung von Niederbayern bekommen. „Das hat mir das Gefühl gegeben, dass wir damit wirklich etwas für das Gemeinwesen tun“, so Grunert. Schon am Freitag, dem ersten Abend, ging die Eröffnung beinahe nahtlos in den ersten Programmpunkt der Sperrtage über: die Lesung mit Schauspieler Josef Bierbichler, der aus dem Roman „Zwei Herren im Anzug“ las. Doch damit nicht genug: An den folgenden beiden Tagen hielt das Programm noch allerlei anderes für die Besucher bereit, wie zum Beispiel das jüdisch-arabische Puppenmusical „Isaak und der Elefant Abul-Abbas“ am Samstag oder die Kunstaktion „Über/Brücken“, die seit Sonntag an der Isar zu sehen ist. Dank des großen Erfolgs, den die Sperrtage schon beim ersten und jetzt auch zum zweiten Mal feiern konnten, habe sich das Kleine-Theater-Team fest vorgenommen, die Sperrtage künftig immer im Zweijahresrhythmus abzuhalten, sagte Grunert. Wer also die Sperrtage dieses Mal noch verpasst hat, kann sich schon auf das nächste Mal 2021 freuen.

-fra-, Landshuter Zeitung, 8. April 2019

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Sperr-Tage bauen Brücken
Der dreitägige Kultur-Marathon im Kleinen Theater provozierte zum Nachdenken

 

Waren sie sperrig die Sperr-Tage im Kleinen Theater, die von Freitag, 5. April, bis Sonntag, 7. April, gingen? Die Antwort ist ein klares Ja. Mit Anspielung auf Martin Sperr, dem niederbayerischen Querdenker, der in seiner Heimat nie die Anerkennung fand, die sein Denken verdient hätte, entwickelte Intendant Sven Grunert vor drei Jahren ein überzeugendes Konzept, um Dialoge in Gang zu bringen. 160 Baumscheiben – von Martina Kreitmeier gesägt und miteinander wie zu einem Trampelpfad über die Isar verbunden – symbolisieren derzeit unterhalb vom Maxwehr, dass wir Menschen alle aus einem Stamm sind.

Mit Josef Bierbichler und seiner Lesung aus seinem Roman „Mittelreich“ und dem daraus abgeleiteten Drehbuch „Zwei Männer im Anzug“ war der Auftakt extrem publikumswirksam. Unterhaltsam, gespickt mit persönlichen Kommentaren schilderte Josef Bierbichler die Umwandlung vom Roman in ein vierstündiges Drehbuch und schließlich in ein marketingmäßig erzwungenes zweites Drehbuch im 135-minütigen Standardformat. Lesend, singend, erzählend zog er das Publikum in den Bann seiner Familienchronologie, in der sich 70 Jahre deutsche Geschichte spiegeln. Er erklärte die Metaphern des Films, in denen sich Opfer und Täter, Schuld und Vision in ihrer Komplexität enthüllen. Entsprechend begeistert reagierte das Publikum bei der Filmpräsentation. Im Gespräch, von Kulturjournalist und Theaterkritiker Christoph Leibold fundiert moderiert, offerierte sich Josef Bierbichler als Künstler ganz im Geist von Martin Sperr, den er mit Oskar Maria Graf, Achternbusch und Fassbinder zu den großen geistigen Rebellen zählt, die allesamt zu Lebzeiten gesellschaftlich isoliert, regelrecht „hinausgetreten wurden“ und jetzt wieder als Aushängeschild benutzt werden.

Bei allen anderen Veranstaltungen vermisste man trotz der interessanten Autoren die Präsenz von mehr Zuschauern. Enis Maci vertrat mit ihrem Essayband „Eiscafé Europa“, kleine Geschichten aus der multikulturellen Perspektive in digitaler Assoziationstechnik, die neue Generation junger Autoren.

Aufgrund facettenreicher autobiografischer Erfahrungen der Gäste vermittelte „Fremdgemacht und reorientiert“, benannt nach dem Sammelband über Denkansätze jüdisch-muslimischer Verflechtungen, erlebte Ressentiments sehr authentisch. Armin Langer, Autor, Publizist, Soziologe, näherte sich rhetorisch sehr gewandt und charmant dem Thema aus der religionswissenschaftlichen Perspektive. Shlomit Tulgan, Kunstpädagogin, Puppenspielerin, Mitarbeiterin im Jüdischen Museum Berlin, setzte ihre autobiografische Lesung zwischen Religionen und sozialistischen Ideologien wie bei ihrem Puppenspiel in unterschiedlichen Stimmlagen mit einer großen Portion Humor und vielen Bildern in Szene. Im Gespräch ergänzt durch den Landshuter Migrationsbeirat Ahmet Karaman fokussierten die Kuratorinnen Julia Weigel und Anna Steinbauer auf „hartnäckige Feindbilder: von Juden, Muslimen und sperrigen Querdenkern“, um den Kopf aufzusperren, für eine subtilere Wahrnehmung im alltäglichen Umgang miteinander.

Anhand von acht Kapiteln aus Gerlind Reinhagens „Die Frau und die Stadt“, gelesen von dem renommierten Regisseur Alfred Kirchner, und vier Texten aus Feridun Zaimoglus „Die Geschichte der Frau“, von Schauspielerin Sarah Grunert in Szene gesetzt, erlebten die Zuschauer nicht nur die Wehrhaftigkeit von einzelnen Frauen, sondern auch zwei extrem unterschiedliche und expressive Interpretationsstile.

Achternbuschs letztes veröffentlichtes Stück „Arkadia“ sorgte zum Abschluss der Sperr-Tage für Irritationen. Es war ein kompaktes Festival mit Musik (Maxi Pongratz, Akkordeon und Kontrabassist Wilbert Pepper) und leckerem Essen. Wer nicht dabei war, hat schon etwas verpasst. Die dritten Landshuter Sperr-Tage finden 2021 statt.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 10. April 2019