Julia Koschitz und Louisa Stroux tauschen sich aus

(In: Das große kleine Theaterwunder - 25 Jahre kleines theater Landshut, Theater der Zeit 2017)

 

Julia Koschitz (li) und Louisa Stroux (re)

Louisa Stroux: Ich bin ja erst seit einer Spielzeit in Landshut. Aber ich bin hier sehr schnell auf deinen Namen gestoßen. Und nun arbeite ich auch mit Andreas Sigrist, mit dem du viel gespielt hast. Vorher war ich in Düsseldorf an einem „normalen“ großen Stadttheater. Hierher ans kleine theater Landshut zu kommen, fand ich schon sehr besonders. Wie und von wo bist du hier hergekommen?

Julia Koschitz: Ich hatte damals ein Festengagement hinter mir: vier Jahre am Stadttheater, zuletzt in Regensburg. Dann war ich in München, wo mich Sven am Teamtheater gesehen und anschließend zum Vorsprechen nach Landshut eingeladen hat. Dieses Vorsprechen war dann zuerst irritierend … (lacht) Ich war damals 28, schauspielerisch noch nicht sehr erfahren. Mir war schon klar, dass er mich fordern wollte, aber ich empfand Svens Art zunächst vornehmlich als Provokation. Nach dem Vorsprechen, am Bahnhof im Winter bei minus fünf Grad, dachte ich mir: Okay, das hast du jetzt vergeigt, kam wohl nicht so gut an, aber wenigstens ersparst du dir die ewigen Zugfahrten hier raus.


Louisa Stroux:
Aber worin bestand denn die Provokation?


Julia Koschitz:
Er wollte, dass ich einen meiner Monologe mit einer ganz anderen Energie anfange. Jedenfalls habe ich seine Regieanweisung offenbar nicht in seinem Sinne umgesetzt, denn er hat mich immer wieder nach dreißig Sekunden unterbrochen und die Treppe, die im kleinen theater nach unten in die Garderobe führt, wieder runtergeschickt, um von vorne anzufangen. Ich weiß nicht, wie oft ich dort runter und wieder rauf gestapft bin, aber irgendwann dachte ich mir, ich raste gleich aus. Ich war echt sauer, habe es dann aber natürlich ins Spiel reingenommen, statt mich bei ihm zu beschweren. Natürlich wollte Sven genau das. Er wollte meine Wut testen. Kurz danach kam – für mich überraschend – die Zusage. Das erste Stück, das ich mit Sven in Landshut gemacht habe, war dann „Tag der Gnade“ von Neil LaBute. Vier weitere Inszenierungen folgten. Jedenfalls hat mich Sven damals da abgeholt, wo ich stand, das war für mich ein großes Geschenk. Mit den Rollen, die er mir angeboten hat, und in der Zusammenarbeit hat mich Sven zu einer Art Selbstbestimmtheit als Schauspielerin gebracht, die ich vorher so nicht kannte.


weiterlesen in: "Das große kleine Theaterwunder - 25 Jahre kleines theater KAMMERSPIELE Landshut" , herausgegeben von Christoph Leibold, 2017 by Theater der Zeit , ISBN 978-3-95749-113-8