Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen am 14.10.2017

25-jähriges Jubiläum: zum Video in Isar-TV vom 11. Oktober 2017

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Fotos: Hilda Lobinger

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Neugierig, tatendurstig, spielfreudig
Das Klei­ne Thea­ter fei­ert sein 25-jäh­ri­ges Be­ste­hen mit ei­nem gro­ßen Ga­la-Abend

Das Kleine Theater ist 25 Jahre alt – und hat noch viel vor. Was andernorts sehr schnell schrecklich klischeehaft klingt (wer oder was hat eigentlich nicht „viel vor“?), ergibt bei den Kammerspielen Landshut tatsächlich einmal Sinn. Entsprechend steht die Jubiläumsspielzeit 2017/18 unter dem Motto „ZwischenZeit“, das auch Leitmotiv der großen Geburtstags-Gala am Samstagabend im Rottenkolberstadel war. Geladen und gekommen waren zahlreiche Mitgestalter, Freunde und Unterstützer des großen „kleinen k“ und selbstverständlich auch die Spitzen der Stadtpolitik von damals und heute, die dem Haus seit einem Vierteljahrhundert auch in finanziell nicht einfachen Zeiten stets die Stange hielten. 

Oberbürgermeister Alexander Putz vergaß in seinem Grußwort denn auch nicht den Hinweis darauf, dass es vor 25 Jahren durchaus ein Wagnis gewesen sei, in einer Stadt mit knapp 60 000 Einwohnern ein zweites Theater zu etablieren. Wegweisend sei dann 1996 der Entschluss des Bausenats gewesen, den denkmalgeschützten Rottenkolberstadel in ein Theater umbauen zu lassen. Damit habe die Stadt „der Kultur einen Raum gegeben“. Zurückgezahlt hat das Kleine Theater dies mit, laut Putz, „vielen einzigartigen Inszenierungen“, die den Regisseuren und Schauspielern zu verdanken seien, ebenso der Treue des Publikums und dem rührigen Trägerverein. Und natürlich und ganz wesentlich dem Enthusiasmus und Genie von Intendant Sven Grunert. Insofern sei die Namenswahl „bescheidenes Understatement“ gewesen, denn ein „kleines k“ werde der Güteklasse der Aufführungen nicht gerecht. Der OB abschließend: „Sie sind eine unverzichtbare Bereicherung unserer Kulturszene. Die Stadt ist stolz auf ihr Kleines Theater.“

Alles andere als „unbedeutend“

Regierungspräsident Rainer Haselbeck zitierte aus dem Duden mögliche Bedeutungen des Wortes „klein“: „Unter dem Durchschnitt“ etwa, „unbedeutend“ oder „einfach“, um gleich zu betonen, die „Macher des Dudens können das Kleine Theater nicht kennen“. Dieses nämlich beweise immer wieder, dass „klein“ durchaus „über dem Durchschnitt“, „bedeutend“, sogar „groß“ heißen könne. Das Theater habe die Chancen genutzt, die die besondere Atmosphäre, die Intimität seiner Spielstätte biete. Er sei beruhigt, so der Regierungspräsident, dass man als Jubiläumsmotto „ZwischenZeit“ gewählt habe: „Sie hätten auch ‚Endspiel‘ oder ‚Finale‘ sagen können.“ Das Kleine Theater sei nun erwachsen, aber immer noch „neugierig, tatendurstig, spielfreudig“. Mit diesen Attributen kann man auch das sich anschließende gut zweistündige Programm beschreiben, das von Schauspielerin Sarah Grunert, der Tochter des Intendanten, und dem Kulturjournalisten und Theaterkritiker Christoph Leibold äußerst charmant moderiert wurde.

Der Kurzfilm „Genesis“ von Videokünstler Hagen Wiel zeigte die Entstehung des Kleinen Theaters von den bescheidenen, aber künstlerisch bereits höchst ambitionierten Anfängen in einem Hinterhaus in der Neustadt 455 bis zum Umzug 1998 in den umgebauten Rottenkolberstadel. Das Ensemble des Hauses brachte eine höchst unterhaltsame, um Wörter mit dem Anfangsbuchstaben „k“ gestrickte Performance auf die Bühne, ehe die „Pyromantiker“, ein Theater-Duo aus Berlin, wortwörtlich die Entstehung einer feurig-schmackhaften „Theater-Suppe“ demonstrierten.

Was als Rückblick wie als Ausblick gesehen werden konnte und damit dem Motto des Abends bestens entsprach. 25 ist auch ein gutes Alter, um Vater oder Mutter zu werden. Das „Kind“ des Kleinen Theaters, das am Samstagabend das Licht der Welt erblickte, ist 611 Gramm schwer, 216 Millimeter „groß“ und brauchte 15 Monate „Tragezeit“. Die Rede ist von dem Buch „Das große kleine Theaterwunder: 25 Jahre kleines theater Kammerspiele Landshut“, herausgegeben von Christoph Leibold bei „Theater der Zeit“. Dessen Verleger Harald Müller pries den „Nachwuchs“ als „solch überzeugendes Buch“, wie es ihm nur selten begegnet sei.

Julia Koschitz, die an den Kammerspielen große Erfolge feiern konnte und seit geraumer Zeit auch Kinogängern und Fernsehzuschauern ein Begriff sein sollte, hielt ein „Zwiegespräch mit Raum“, dem Andreas Sigrist, Koschitz’ mehrmaliger Bühnenpartner, seine Stimme lieh. Der „Raum“, das sind Bühne und Zuschauerraum des Kleinen Theaters, und die platzbedingt notwendige Beschränkung ist hier künstlerischer Gewinn. Maria Happel, Schauspielerin am Wiener Burgtheater und langjährige Weggefährtin von Sven Grunert, verkörperte schließlich diesen fulminant in einem von Christoph Leibold erdachten, wohl nicht nur fiktiven Gespräch zwischen Regisseur und Kritiker. Ein nochmaliger Höhepunkt an einem an Höhepunkten wahrlich nicht armen Abend, der nach der abschließenden Feuershow der „Pyromantiker“ vor dem Theater sicher jeden Gast mit einem guten Gefühl in die Nacht entließ.

Stefan Klein, Landshuter Zeitung, 16. Oktober 2017

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Theaterrezept mit Sahnekirsche
Das kleine theater feiert sich diesmal selbst: Julia Koschitz kehrt zurück - leider nur für einen Abend

Kleines k, Konzept, Kunst, kreatives Konstrukt - die Assoziationen der 13 Schauspieler und Schauspielerinnen, die über die Bühne der Kammerspiele Landshut humpeln, fegen, schleichen, gleiten sind schier unendlich: Ines Hollinger und Sven Hussock machen aus Romeo und Julia einfach Komeo und Kulia, Rudi Knauss navigiert sein Bötlein von Kanada über Kolumbien in den Kongo, Stefan Lehnen animiert das Publikum mit einem „Kedankenstrom“ zum
Klatschen. Und ganz nebenbei baut Sebastian Hofmüller ein großes hölzernes kleines k auf die Bühne – das Symbol, das seit nun 25 Jahren für das Kleine Theater Landshut steht. 

Am Samstagabend feierte das Theater mit rund 140 geladenen Gästen sein Jubiläum und verwandelte dabei den roten Rottenkolberstadel in eine knisternde, knallende Wundertüte. Kein fader offizieller Akt, der unzählige Reden aneinanderreiht und vor lauter Lobhudelei den Spaß vergisst. Nein!
Stattdessen haben sich auch Redner – Oberbürgermeister Alexander Putz, Regierungspräsident Rainer Haselbeck und Theater der Zeit-Verleger Harald Müller – einige Überraschungen überlegt. So zitiert OB Putz Goethe, Rainer Haselbeck widerlegt den Duden und macht neue Vorschläge für das Adjektiv „klein“,  während Müller von einem Bühnenrand zum anderen schlendernd über die unabdingbare Wichtigkeit des Druckdurchschusses sinniert.

Durch den Abend führten Sarah Grunert, die Tochter des Intendanten Sven Grunert, und der BR-Moderator Christoph Leibold. Eine bunte Mixtur aus Wortspielen und Performance. Ein Rezept, das auch sonst im Kleinen Theater funktioniert: immer ungewöhnlich und überraschend, nie vorhersehbarer Mainstream. Stets performativ. Das fängt beim Einstieg in den Abend an: Dafür ist der Berliner Pianist Amine Mesnaoui erneut nach Landshut gekommen. Mit seinen sachten Jazzimprovisationen empfing er die Gäste im Saal und stimmte auf das zweistündige Programm ein. Es folgen Videokunst, Schauspielimprovisationen, Feuerspielchen, Lesungen, emotionale persönliche Anekdoten – und eine Buchpräsentation: „Das große kleine Theaterwunder“, erschienen im Verlag Theater der Zeit, ist eine bildgewaltige Rückschau auf 25 Jahre Theatergeschichte und eine textliche Vorschau auf das was war, ist und sein wird.

Doch im Zentrum des Abends stehen immer wieder die Akteure, das Herz des Hauses. Etwa Julia Koschitz, die für einen Abend ans Kleine Theater zurückkehrt. Gemeinsam mit Kollege Andreas Sigrist, mit dem sie viele Jahre auf derselben Bühne stand, liest sie aus dessen Dialog „Zwiegespräch mit Raum“, ein kleiner Vorgeschmack auf das Theaterbuch und ein berührender Moment, diese beiden Schauspieler nach sieben Jahren endlich wieder gemeinsam dort sitzen zu sehen.

Oder auch die Schauspielerin Maria Happel, die mit Christoph Leibold in die Trainingsjacke von Intendant Sven Grunert schlüpft. Punktgenau imitiert sie seine Gesten, seinen Tonfall, seine oft eigensinnigen Worte: „Wir müssen wach bleiben im Kopf – ich bin noch nicht satt – ich habe noch Appetit auf viele Jahre hinaus.“ Hübsche Worte, die Leibold in seinem Dramolett „Sven Grunert kauft sich eine Trainingsjacke und geht mit mir essen“ festgehalten hat. Und außerdem eine Formel, die sich durch den Abend zieht und von allen Rednern stets betont wird: 25 Jahre Kleines Theater sind zwar ein Vierteljahrhundert, aber noch lange kein Grund aufzuhören.

Vielmehr ist das Jubiläum eine Zwischenzeit, wie auch das aktuelle Spielzeit-Motto des Kleinen Theaters lautet. Und eine Feier, die viele weitere Jahre verspricht. Das zeigt auch das glitzernde Feuerwerksfinale der Pyromantiker aus Berlin, das dem Theaterrezept die Sahnekirsche aufsetzt und die Gäste in einen beschwingen Abend entlässt.

Julia Weigl, Wochenblatt, 18. Oktober 2017

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Das große kleine Theaterwunder
25 Jahre
„Zwischenzeit“ im Kleinen Theater präsentiert großartige Zwischenbilanz

Klar, 25 Jahre Kleines Theater sind faszinierend, erst recht, wenn man denkt, wie umstritten vor 25 Jahren der Theaterbau war. Landshut mit damals „nur“ 60 000 Einwohnern leistete sich ein zweites Theater. Das war mutig und ein klares Bekenntnis zur Kultur vom damaligen Oberbürgermeister Josef Deimer.

Dass das Kleine Theater überregional zu den Landshuter Kammerspielen avancierte, verdankt es seinem Intendanten Sven Grunert. Von Anfang an dabei, ist das Theaterjubiläum auch sein persönliches Intendantenjubiläum. Sven Grunert machte aus dem Kleinen Theater großes Theater, einen Ort der Poesie und einen Treffpunkt der Theaterfans, baute ein Team auf, dass trotz häufiger Personalwechsel ganz klar ein innovatives und kreatives Theater am Puls der Zeit verfolgte und mit diesem Team vor und hinter den Kulissen die Marke „k“ prägte: „Kleines Theater ist kein Name, sondern eine Haltung.“

Dass zum 25-jährigen Jubelfest gleich alle drei Oberbürgermeister Josef Deimer, Hans Rampf, Alexander Putz und auch Regierungspräsident Rainer Haselbeck unter den Gästen waren, beweist einmal mehr das große gesellschaftspolitische Ansehen, dass das Kleine Theater genießt. Voller Lob und Respekt, voller Ermutigung für die nächsten 25 Jahre waren die einleitenden Laudationes von Putz und Haselbeck.

Das spritzige Programm, moderiert von Christoph Leibold (Bayerischer Rundfunk) und Sarah Grunert (Schauspiel Frankfurt), bewies einmal mehr die fröhliche, kritische und mutige Konzeption des Hauses inklusive der traditionellen Wurzeln. Aus dem Blick auf ein Straßenpflaster entwickelte sich in einer großen schwarzen Pupille die „Genesis“ des Kleinen Theaters in Hagen-Wiels hervorragendem Video.

Originell und sehr beschwingt entfaltete die Performance des k-Ensembles die vielschichtigen Facetten rund um das magische „k“, gleichzeitig fixiert im konzeptionellen k-Plakat. Wie man so erfolgreich wird, verriet ein Berliner Pyromatiker-Pärchen in einem ulkigen, höchst explosiven Koch-Sketch im Commedia dell’Arte-Stil. Als kleine Liebeserklärung an das Theaterhaus entwickelte sich das Zwiegespräch von Julia Koschitz und Andreas Sigrist. Nach dem gelungenen Dramolett von Christoph Leibold frei nach Thomas Bernhard beleuchtete Leibold mit Burgschauspielerin Maria Happel in der Rolle Sven Grunerts, mit hinreißendem Charme die Eigentümlichkeiten des k-Intendanten.

Mit einer fröhlich wanderbühnenartigen Feuerwerk-Performance und anschließendem „Come together“ zeigte sich das Theater genau als das, was es ist: klein und fein, tiefgründig und originell, als „das große kleine Theaterwunder“ in Landshut. Unter diesem Titel erschien zum Nachlesen und Nacherleben für alle Fans, und die es noch werden, eine Publikation zu „25 Jahre Kleines Theater – Kammerspiele Landshut“ von Christoph Leibold im Verlag Theater der Zeit.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 18. Oktober 2017