Sven Grunert zum 20-jährigen Jubiläum

Willkommen in der Jubiläumsspielzeit:
20 Jahre kleines theater – KAMMERSPIELE Landshut.
Happy Birthday!

20 Jahre jung ist unser Theater nun, 20 Jahre haben uns geformt und geprägt. Langsam werden wir erwachsen. Doch das heißt nicht, dass wir uns von unserer
Kindheit verabschiedet haben: Wir haben sie in die Tasche gesteckt, wie es Max Reinhardt einst formuliert hat. Also spielen wir einfach weiter und tragen die Kindheit in uns – mit Neugierde und Entdeckerfreude, um weiter rebellisch und
staunend der Welt zu begegnen.

Seit 20 Jahren ist es unser Anspruch, spannendes und phantasievolles, auf- und anregendes Theater zu machen. Wir haben immer versucht, unsere Grenzen neu auszuloten: die Grenzen unserer Herzen, die Grenzen in unseren Köpfen. Immer wieder ging es uns darum, in unserer Theaterarbeit Neues zu entdecken und Altes zu bewahren: Marivaux, Shakespeare, Molière, Edward Albee, Yasmina Reza, Tennessee Williams, Sophokles und Brecht waren unsere Weggefährten.

Theater ist für uns ein Spiegel der Zeit, denn nur, wenn es etwas über die Gegenwart erzählt, über unser Sein im Hier und Jetzt, ist Theater lebendig und wirkungsvoll, nur dann berührt es uns, nimmt es uns gefangen, holt es uns ab in unserer Wirklichkeit.

20 Jahre, das ist auch eine lange Reise durch die Herzen und Köpfe unseres Publikums – wahrlich ein Grund zu feiern!

Der Publikumspreis bei den Bayerischen Theatertagen 2012, den wir für unsere Produktion „Oskar und die Dame in Rosa“ erhalten haben, war ein wunderbarer Abschluss der vergangenen Spielzeit, der uns in unserer künstlerischen Arbeit bestätigt und motiviert hat. In diesen 20 Jahren haben wir viel erreicht: die Gründung und Eröffnung eines neuen Theaters in der Neustadt, den Umbau des Rottenkolberstadels zu unserer neuen Spielstätte; dann, 1998, die Eröffnung der Landshuter Kammerspiele und nicht zuletzt wichtige Auszeichnungen wie den Deutschen Architekturpreis und den Darstellerpreis bei den Bayerischen Theatertagen 2007.

Wir wurden zu vielen nationalen und internationalen Theaterfestivals eingeladen, zusammen mit Häusern wie der Berliner Schaubühne, dem Budapester Katona-József-Színház und dem ungarischen Nationaltheater. Diese Gastspiele im Ausland und im deutschsprachigen Raum haben unsere Theaterarbeit befruchtet und unser Haus weit über Landshut und Bayern hinaus bekannt gemacht.

Ohne unser Publikum, ohne das besondere Engagement der Stadt Landshut und die Unterstützung des Freistaats Bayern, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst hätten wir all das nicht erreicht. Mein ganz besonderer Dank gilt aber unsrerem Trägerverein, der für mich die Seele unsres Hauses ist. Nur durch sein unermüdliche Engagement– können wir sein, wer wir sind. An dieser Stelle möchte ich mich ganz persönlich bei allen aktiven Vereinsmitgliedern bedanken und besonders beim Vorstand.

Unser kleines theater vernetzt uns mit dem Haus der Welt. Unser Spielplan der kommenden Spielzeit verspricht wieder lustvolles und experimentierfreudiges Theater, denn Grenzgänger müssen wir bleiben, indem wir uns Fragen stellen, die uns zu den Grenzen des Altbekannten vordringen lassen: Was liegt jenseits von dem, was uns zugänglich ist? Fragen, die uns zugleich immer wieder in die Welt werfen. Denn solange wir den Menschen zeigen, wie die Welt von der Bühne aussieht, so lange spielt Theater Welt, und solange spielt Welt Theater.

Lassen Sie sich gefangen von unserem Haus, das an diese kleine Weisheit glaubt: Wer nicht die Kleinheit großer Dinge in sich spürt, wird auch nicht die Größe des Kleinen im Anderen sehen. Das kleine theater ist kein Name, es ist ein Konzept. Es ist eine Vorstellung von dem, was Theater bewirken und was es sein kann: Unterhaltung fernab vom Mainstream. Theater im Hier und Jetzt: politisch, poetisch, rebellisch.

Ich freue mich auf die nächsten 20 Jahre lebendiges, innovatives und spannendes Theater in Landshut. Ich freue mich auf Sie, liebes Publikum, auf mein Ensemble und meine Mitarbeiter!

Happy Birthday, liebes K, ich freue mich auf die 21. Spielzeit!

Ihr
Sven Grunert