Streiten, aber mit Genuss

Matthias Eberth inszeniert Éric Assous´ „Glück“ am Kleinen Theater Landshut

Nach einem One-Night-Stand lässt Louise ihre Bekanntschaft Alexandre einfach nicht gehen: Sie verschließt die Tür und versteckt den Schlüssel. Die beiden nicht mehr ganz jungen Menschen müssen sich in „Glück“ von Éric Assous nun miteinander befassen. Es stellt sich heraus: Beide sind auf der Suche nach dem Glück – nur haben sie unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das aussieht. Matthias Eberth inszeniert das Kammerspiel am Kleinen Theater Landshut mit Petra Einhoff und Eckhard Preuß. Premiere ist heute um 20 Uhr.

Herr Eberth, wäre „Glück“ ein Stück von Yasmina Reza, würde es ziemlich krachen. Geht Rezas französischer Kollege Éric Assous die Sache leichter an?

Das würde ich nicht sagen, es ist eigentlich eine bitterböse Komödie. Man muss aufpassen, dass man es nicht zu psychologisch macht. Wir versuchen, eine gewisse Leichtigkeit hineinzubringen.

Es handelt eigentlich von einem Flirt.

Es geht um eine enttäuschte Frau, die einen One-Night-Stand hat. Danach entwickelt sie sich zum Racheengel – aber mit Genuss! Sie treibt den Mann, Alexandre, in die Fassungslosigkeit. Und wir sehen ja gern verzweifelte Menschen auf der Bühne. Dann nähern sich die Figuren langsam aneinander an. Zwischen den beiden ist eine große Leidenschaft, jeder hat eine große Anziehungskraft, die den jeweils anderen fasziniert.

Louise sperrt nach der gemeinsamen Nacht Alexandre in ihrer Wohnung ein und zwingt die beiden, miteinander zu interagieren. Bleibt Louise die treibende Kraft?

Es wechselt, wie in einem Boxkampf, wo die Ringrunden eingeläutet werden. Nach dem Schlagabtausch gibt es immer wieder Ruhepausen, dann geht es wieder neu los.

Wie reagiert Alexandre auf die Situation?

Er kann es nicht fassen. Er muss eigentlich los, um seine Frau vom Bahnhof abzuholen. Er hat behauptet, es seien seine Eltern – Louise hat er ja gesagt, er ist Single. Die Not wird immer größer. Irgendwann gibt er innerlich auf und sagt: Dann versuchen wir es auf eine andere Art. Als Schauspieler kann man sich hier in jeder Schublade bedienen: Man kann flehen, bitten, und das auf eine humorvolle Art. Aber trotzdem muss die Gefährlichkeit zwischen den beiden stattfinden.

Es beginnt mit einer körperlichen Attraktion. Kommt dann auch eine seelische dazu?

Das ist beides. Hoffe ich jedenfalls. Bei diesem Stück ist man sehr abhängig von den Schauspielern. Es muss mit großer Lust und großem Spaß gespielt werden. Man muss Freude an der Streitkultur haben.

Louise und Alexandre sind nicht mehr jung. Welche Rolle spielt das Alter in „Glück“?

Die beiden haben ja eine Vergangenheit. Er ist noch verheiratet, sie war sechs Jahre lang verheiratet. Sie haben Erfahrungen gemacht, Enttäuschungen erlebt. Und sie sind auf der Suche nach dem Glück. Sie gehen aber auf verschiedene Arten da ran. Sie wollen eine gewisse Sicherheit, aber auch das Abenteuer. Und hier spielt das Alter eine Rolle: Man versucht, sich auch im Alter das Recht auf Glück, auf Abenteuer, auf Neues zu nehmen.

Das Glück wird ja hier mit sanfter Gewalt gesucht. Könnten danach alle Paare miteinander glücklich werden, wenn man sie nur zwingt?

Das kommt darauf an, wie man auf dieses Spiel einsteigt. Wenn man diese spielerische Ader hat, kann es etwas werden. Mit Zwang und Gewalt geht es natürlich nicht. Es muss eine gespielte Lust sein, in der man versucht, den anderen zu reizen, zu necken. Das ist wie in der Pubertät. Wenn er spielerisch darauf eingeht, ist schon mal eine Basis geschaffen.

Interview: Philipp Seidel in der Landshuter Zeitung vom 11. Januar 2019