"Wo die Superhelden leben" 

Carola Feddersen im Interview mit Philipp Seidel
(in: Landshuter Zeitung, vom 28. Juni 2018)

Drei Tage für die Jugend: Bei den Schülertheatertagen am Kleinen Theater Landshut stellen von heute an drei Schulen ihre Produktionen vor. Das Maristen-Gymnasium Furth zeigt ein Stück über Mobbing, die Grundschule Ergoldsbach führt ein Musical über einen König auf, dessen Untertanen nicht mehr in Eintracht zusammenleben wollen, und die Staatliche Realschule Landshut zeigt ein Zukunftsstück aus einer Zeit der Supermenschen – mit Superhelden und Superschurken.

Frau Feddersen, wie ist es um die Theaterkunst an den Schulen bestellt ?

Die Lehrer und Schüler sind sehr engagiert, es gibt alles – von selbstgeschriebenen Stücken bis zu Klassikern, wie sie die Shakespeare Company von der Realschule Ergolding spielt. Unfassbar, was da geboten wird, was die Lehrer und Spielleiter auf die Beine stellen, mit einem riesigen Einsatz und vielen Ideen. Dieses Jahr haben wir eine ganz junge Gruppe dabei, sie kommt von der Grundschule Ergoldsbach. Da hat die Spielleiterin 50 Kinder für ein Musical zusammengebracht, es wurden Tänze und Gesang unter professioneller Anleitung eingeübt. In so einem Projekt steckt so viel Energie ! Und die Kinder machen das ja alles zusätzlich zur Schule und müssen motiviert werden.

Wie groß war die Auswahl an Stücken, die Sie für das Festival hatten ?

Es hatten sich fünf Gruppen angemeldet, von denen mussten zwei wieder abspringen. Jetzt haben wir also drei an drei Tagen.

Was wäre das Ideal ?

Man kann fünf schaffen, aber eigentlich ist es mit drei Gruppen fast schöner. Bei fünf Gruppen, die vier Tage lang bei uns im Haus proben, ist es schon sehr gedrängt.

Wie sind Sie an die Stücke gekommen ?

Ich schreibe alle Schulen an, und ich habe einen Verteiler mit Kandidaten, die oft und leidenschaftlich dabei sind. Außerdem recherchiere ich, wo es rührige Theater-AGs gibt. Die Musical-Gruppe hat man mir empfohlen.

Worin unterscheiden sich jüngere von älteren Schauspielern ?

Je jünger die Schüler sind, desto ungefilterter reagieren sie. Bei den Großen geht alles über den Kopf, die sind eher distanziert. Die Kleineren gehen unmittelbar auf das Geschehen auf der Bühne ein: Sie lachen, wenn es lustig ist, und lassen sich berühren, wenn es tragisch wird.

Was treibt die jungen Leute thematisch um ?

Entweder begeben sie sich komplett in das Fremde – wenn zum Beispiel ein junger Schüler Hamlet spielt. Dann bringt er weniger sich selbst und seine Welt zum Ausdruck, sondern steigt in eine völlig fremde Gestalt ein. Bei anderen Stücken merkt man, dass die Kinder direkt betroffen sind. Wir zeigen diese Woche ein Stück vom Maristen-Gymnasium Furth, „Bad Girls“ von Sonja Lüders, da geht es um Mobbing. Vier Schülerinnen werden auf übelste Weise drangsaliert, bis sie sich irgendwann zur Wehr setzen. Das sind Erfahrungen, die die Kinder selber machen oder schon beobachtet haben. Das kommt direkt aus ihrem Lebensumfeld. Und es tut sicher gut, das Problem dann auf der Bühne zu lösen. Im Stück entdecken die Mädchen, dass sie zusammenhalten müssen und nur so die Kraft haben, sich zu wehren.

Mit dem Festival endet die Jubiläumsspielzeit des Kleinen Theaters – das ja von Anfang an, seit 25 Jahren, Wert aufs Schülertheater gelegt hat.

1993, in der zweiten Spielzeit des Kleinen Theaters, entstand der Jugendspielclub, 1995 fand das erste Schultheaterfestival statt. Auch unser Kinder- und Jugendtheaterprogramm gibt es seit der Gründung, das hat 1992 mit Svens Grunerts Inszenierung von Beat Fähs „Max“ begonnen. Der Intendant war von Anfang an darauf bedacht, Kinder einzubeziehen, das gehört zu den Gründungsideen seines Theaters. Die Jugend soll einerseits gefördert und begeistert, andererseits wahrgenommen werden. Wir wollen hören, was die Jugendlichen zu sagen haben. Sven Grunert sagt immer, Theater der Jugend ist Theater der Zukunft.

Interview: Philipp Seidel